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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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226 ABSCHLUSS DER VERFASSUNG

wichtigsten aller Bürgerpflichten, des Gemeinsinns. Im Mangel anGemeinsinn, in der rücksichtslosen Verfolgung des persönlichenNutzens auf Unkosten des Gesamtwohls 70 erkannte er den Bornaller staatlichen Übel 71 . Er hielt den Bürgern vor, wie sie, die dochsonst immer so sehr für das klassische Altertum schwärmten, weithinter den Heiden zurückblieben, die für ihr Vaterland starbenund, wie Torquatus, den eigenen Sohn nicht verschonten; auskeinem anderen Grunde habe einst Rom die Weltherrschaft er-obert, als weil es das Gemeinwohl nie aus dem Auge ließ 73 . Wärendie Bürger von Gemeinsinn beseelt, so kämen sie dem Staate inseiner Geldnot zu Hilfe, ohne dafür Zinsen und nun gar Wucher-zinsen zu zwanzig Prozent zu verlangen 73 . Allein weit entfernt, derNot des Vaterlandes zu steuern, sind manche Bürger gewissenlosgenug, sogar den Feind zu unterstützen 74 . Solche Leute, die ihrVaterland wohl schon tausendmal verraten haben 75 , sind immerauch schlechte Christen; denn nur in der Gnade Gottes kann mandas Gemeinwohl tatkräftig lieben, nur die Liebe bildet den Mörtel,der alles zusammenhält 78 . Die Arrabbiaten beklagen sich unauf-hörlich, daß sie an der gegenwärtigen Regierung keinen Teil habenund nicht zu Ämtern gewählt werden, obschon doch gerade sie,! die geschworenen Feinde der Volksherrschaft, eine solche Aus-zeichnung am allerwenigsten verdienen 77 . Gewiß ist die jetzigeVerfassung, das erkannte der Frate unumwunden an, noch mitmanchen Mängeln behaftet, die man mit der Zeit abstellen mußund wird 78 . Als einen Krebsschaden sah er den zu raschen undhäufigen Wechsel der Signorie an sowie den Mangel an einer be-harrenden obersten Gewalt. Er dachte daher an die Einsetzungeines Dogen auf Lebenszeit oder doch auf eine Reihe von Jahrennach venetianischem Muster 79 , ein Gedanke, der bekanntlich nachseinem Tode in der Wahl Peter Soderinis, des Bruders seines war-men Freundes Paulanton, zum lebenslänglichen Bannerherrn ver-wirklicht wurde. Ein weiteres Hauptübel sah er in dem Umstände,daß der große Rat um der geringfügigsten Dinge willen und daherallzu häufig berufen wurde. Selbst seine Freunde klagten hier-über 80 , und erst recht murrten die Gegner 81 , so sehr es sie freute,daß den Bürgern auf diese Weise die Freude am großen Rate ver-dorben wurde 82 . Aber er machte seinen Zuhörern auch klar, daßsich solche Schäden nicht über Nacht und jedenfalls nicht mitödem Mäkeln beheben ließen, und forderte die Nörgler auf, statt