PONZO GEGEN DEN FRATE
denn hundert dem Tode zu überantworten, von ihren Racheplänennicht lassen wollten 38 . Eindringlich warnte er vor Geringschätzungder Prophetien, die zum Bestände der Kirche unerläßlich seien,mahnte aber auch zur Behutsamkeit vor falschen Propheten, dieschöne Worte liebten und mit Bibelsprüchen um sich würfen 39 .Ponzo dagegen stellte der Stadt die glücklichsten Zeiten in Aus-sicht, denn Gott habe ihr ob ihrer guten Werke verziehen. Aufskräftigste trat er für die Sechs Bohnen ein, indem er auf die Ge-fahren verwies, die der Stadt von den Grauen drohten 40 . Am Mor-gen des 18. März, am selben Tage, an welchem das Begnadigungs-und Bohnengesetz zur Abstimmung im Rate der Achtzig gelangensollte, hielt Ponzo, sei es im guten Glauben, zum Wohle der Stadtzu handeln, sei es in der Absicht, sie auf die Seite des Herzogs vonMailand, auf dessen Seite er stand, zu ziehen 41 , eine Predigt, in derer jede Schmälerung der Macht der Signorie aufs schärfste ver-dammte und nachdrücklich zum Frieden, zur Eintracht und Frei-heit aufforderte. Überdies versicherte er, einen Topf zu haben,wenn er den öffne, so entströmten ihm Gift, Schwefel und Gestank,die bis zum Himmel reichten. Die Liebe, die er zur Stadt hege,lasse ihm keine andere Wahl, als ihn entweder zu öffnen oder ab-zureisen, entweder nicht zu predigen oder die Wahrheit zu ent-hüllen und das von ihm so heiß geliebte Volk vor dem Truge zuwarnen, mit dem man es umgarne. Weinend beschwor er die zahl-lose Menschenmenge zu seinen Füßen, Gott um Erleuchtung zubitten, auf daß im Signorenpalaste der rechte Beschluß gefaßtwerde; und mit vor Tränen erstickter Stimme, als vermöge er vorMitleid nicht weiter zu reden, brach er die Predigt ab 42 . Die Ge-müter hatten sich im Streite um die Gesetzesvorlagen bereits biszu einem Grade erhitzt, daß es jeden Augenblick zum Kampfe mitden Waffen kommen zu müssen schien 43 . Mit atemloser Spannungverfolgte die Stadt den Ausgang des seltsamen Redekampfes aufder Kanzel und der Verhandlungen im Rathause. Hier wie dortblieb d er Frate Sieger, Bei den Beratungen im Signorenpalast trates so recht augenscheinlich zutage 44 , wie sehr alle Geister, mehrals sie es selbst wahrhaben mochten, im Banne des Frate undseiner Gedanken standen. Manche bedienten sich bei den Er-örterungen im Rathause seiner eigenen Gedanken undWorte; schon begannen die Arrabbiaten selbst zu wan-ken 45 . Je größer die Furcht vor einer Rückkehr Peters