222 DAS SECHS-BOHNEN-GESETZ
er zum Gespötte der Florentiner geworden, denen er ihr Bestesnicht aufdrängen wolle, wenn sie nicht selbst danach griffen 28 .„Ich muß nun", erklärte er, „dem Zorne ein wenig weichen. Ichwill wieder Mönch werden, ich lasse ab vom Staate und kümmeremich nicht mehr um die Sechs Bohnen. Ich ziehe mich in meineZelle zurück, schicket nicht mehr um mich, denn selbst wenn derKönig von Frankreich oder der Kaiser anrückte, ich komme nicht.Macht in eurem Rate, was Gott euch eingibt, und laßt mich inRuhe, denn ich muß jetzt dem Zorne weichen. Sodann will ichnach Lucca gehen und hierauf vielleicht noch weiter fort 30 ." Zu-gleich ermahnte er seine Zuhörer, sich vor Aufruhr und Ausschrei-tungen zu hüten und ruhig zu bleiben, selbst wenn er umge-bracht werden sollte; denn Geduld zu haben sei ein größeres Wun-der, als einen Toten zu erwecken 31 . In der Tat gingen die Wogender Parteileidenschaft damals so hoch, daß der Frate seines Lebensnicht sicher war 32 . Die Arrabiaten jubelten; sie meinten nunmehr,da sie dem Frate die Predigt verleidet hätten, gewonnenes Spielzu haben. Sie konnten ungestört gegen den allgemeinen Friedenund die Sechs Bohnen arbeiten, da auch das Volk nach Rache anallen dürstete, die sich früher am Gemeinwohl versündigt hatten,und noch immer viele Peters Rückkehr ersehnten 33 .
Den ganzen Monat Februar hindurch schwieg der Frate undebenso Ponzo. Am SonntagQuinquagesima, den l.März 1495, kehrteer jedoch auf die Domkanzel zurück, um als päpstlich bestellterFastenprediger seine Kanzelvorträge „Ü b e r Job" zu eröffnen 34 .Am selben Tage trat eine neue Signorie ihr Amt an, die zwar inTanai de' Nerli einen der entschiedensten Arrabbiaten und heftig-sten Gegner des Frate zum Bannerherrn hatte, aber doch auchMänner aus der nächsten Verwandtschaft der Bigi in ihrer Mittezählte 35 . Da sich nun auch Ponzo wieder vernehmen ließ, so wares begreiflich, daß der Kampf um den allgemeinen Frieden undum die Sechs Bohnen sofort heißer denn je entbrannte. Abermalstraten die beiden Prediger gegen einander in die Schranken. Beideerfreuten sich des größten Zulaufes, beide boten all ihren Scharf-sinn zur Widerlegung des Gegners auf 36 . „Schließt Frieden mit-einander, seid einig, einig, einig", ward Savonarola den Gläubigeneinzuschärfen nicht müde 37 . Er stellte der Stadt ob ihrer Verstockt-heit die schwersten Trübsale in Aussicht und klagte über denStarrsinn der Bürger, die unter dem Vorgeben, es sei besser, einen