DAS SECHS-BOHNEN-GESETZ
war, um so mehr mußten auch sie auf Deckung füralle Fälle bedacht sein 46 . Wie, wenn nun etwa die Graueneines Tages doch wieder die Oberhand gewannen? Kam dann dieBerufung gegen die Sechs Bohnen nicht gerade ihnen selbst, denArrabbiaten, zustatten? So traten diese nun zum großen Teileselbst für das vom Frate vorgeschlagene Gesetz ein, nur wolltensie die Berufung nicht, wie der Frate beantragt hatte, an den Ratder Achtzig, sondern an den großen Rat selbst gerichtet wissen 47 .In dieser Fassung ging das Gesetz am 18. März im Rate der Achtzig,am folgenden Tage mit 543 gegen 163 Stimmen im großen Ratedurch 48 . Ponzo erklärte nun die Stadt für betrogen, was ihm sei-tens eines der Großen den Tadel eintrug, er verdiente einen gol-denen Strick 49 . Savonarola aber sprach der Bürgerschaft ob derDurchführung dieses „göttlichen Werkes" seine Anerkennung ausund verhieß ihr Gottes Segen und die Wiedergewinnung Pisas".Zwar zogen sich beide Prediger ob ihrer Einmischung in Staats-angelegenheiten Tadel zu; aber der größere Teil des Volkes hieltdoch dafür, der Frate meine es gut und sei ehrlich für den Friedenbesorgt, während Ponzo Übles im Schilde führe 51 .
Der außerordentliche Erfolg des Oberen von S. Marco und seinunwiderstehlicher Einfluß auf das Volk beunruhigte die Arrabbia-ten aufs äußerste und bestärkte sie in ihrem tödlichen Hasse gegenihn nur noch mehr. Sie beratschlagten sich wider ihn in einer ge-heimen Zusammenkunft, woran sich Welt- und Ordensgeistlichewie Laien beteiligten 52 . Sie verhöhnten seine Anhänger, daß siesich von einem hergelaufenen Mönche gängeln und auch selbst zuMönchen und Weibern stempeln ließen 53 . Sie suchten ihn auf jedeWeise am Predigen zu verhindern 54 . Sie verdächtigten ihn, durchEmpfehlung der Besteuerung des Klerus das kirchliche Vorrechtder Immunität verletzt und hierdurch den Kirchenbann verwirktzu haben 55 . Sie bezichtigten ihn der Ketzerei der die Berechtigungmönchischen Besitzes leugnenden Fratizellen, da er den übermäßi-gen Reichtum und Aufwand der Klöster tadelte und darauf drang,das der kirchlichen Zucht doch nur schädliche, überflüssige Kir-chenvermögen unter die Armen zu verteilen 56 . Sie sprengten aus,er bestreite die Gültigkeit des Kirchenbannes, da er zwischen gül-tigen und ungültigen Kirchenstrafen unterschied 57 . Namentlichgaben sie sich die größte Mühe, seinem Ansehen durch Bestreitungseines Prophetentumes den Todesstoß zu versetzen, da er seine