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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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209
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DIE VORSCHLÄGE DES FRATE 209

höchsten Behörden gehalten wurden 107 , bei der eben in Angriff ge-nommenen Verfassungsumbildung das venetianische Vorbild insAuge zu fassen, freilich mit Ausschluß alles dessen, was für Flo-renz gegenwärtig nicht passe, wie des Dogen auf Lebenszeit; dennflorentinischer Doge könne nur Christus selbst sein, und überdiesläge für den Anfang die Gefahr nur zu nahe, daß sich der Doge ineinen Tyrannen verwandle 108 . Als das für Florenz ganz besondersWertvolle und Nachahmungswerte der venetianischen Verfassungbezeichnete er den großen Rat, näherhin die ihm vorbehaltene Be-fugnis der Ämterbesetzung. Auch in Florenz soll ein großer Rateingerichtet werden, der, als allein rechtmäßiger Vertreter der Bür-gerschaft den Kern und Stern, das Rückgrat und die Säule derganzen Verfassung bildet. Der große Rat allein ist Herr und Mei-ster der Stadt, er allein vergibt Ämter und Würden, sein unverletz-liches Hoheitsrecht soll jedem des Staatswohles beflissenen Bürgervor allem am Herzen liegen 109 . In einem wohlgeordneten Gemein-wesen müssen namentlich auch die Steuern und Abgaben gerechtverteilt und aller Willkür, der sie früher so sehr unterworfenwaren, ein für allemal entrückt sein. Da nun viel leichter als derbewegliche Besitz das unbewegüche Grundeigentum festzustellenund abzuschätzen ist, so sind dem Rate des Frate gemäß dieSteuern auf die liegenden Güter zu legen, in keinem Falle aber sohoch zu bemessen, daß sie die Erträgnisse überschreiten 110 . Aufsolche allgemeinen Umrisse beschränkte der Prediger seine Vor-schläge. Auf die Einzelheiten der Neuordnung ließ er sich nicht«in, vielmehr regte er an, die Bürger selbst möchten sich in jedemder 16 Stadtbezirke unter dem Vorsitze ihres Bannerherrn übereinen Vertragsentwurf schlüssig machen; aus diesen 16 Entwürfensind dann zunächst die 4 besten und aus diesen selbst wieder dernach dem Urteile der Signorie geeignetste auszuwählen, von demman annehmen darf, daß er dem Willen Gottes entspringt 111 . DurchGebet und Fasten soll man Gottes Segen auf das ganze Werkherabflehen, zu dem so auch die Frauen beitragen können. Dennbloßer Menschenwitz reicht zur Leitung des christlichen Volkesnicht aus, wie es auch nicht wahr ist, was Bösewichter und Torensagen, ein Staat lasse sich mit Vaterunsern nicht regieren 112 . Dieswie der Grundsatz, daß man das Volk mit Festen und Lustbar-keiten bei guter Laune erhalten müsse, ist die Sprache der Tyran-nen, die im neuenjGottesstaate keinen Widerhall finden darf 113

14 Schnitzer, Savonarola

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