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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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208
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208 NEUORDNUNG DER VERFASSUNG

wäre, es zum besten christlichen Leben zu erziehen, wenn eseine gute Regierung hätte. Wie wir uns Tag für Tag überzeugen,ließe sich die Stadt unschwer zur alten urkirchlichen Liebe zu-rückführen und zum Muster für die ganze Welt machen, wenn dieschlechten Geistlichen und Ordensleute nicht wären, deren Ver-treibung daher eine Hauptaufgabe einer guten Regierung bildenmüßte 105 . Sind doch die Florentiner die feinsten Köpfe der Welt!Darum ist bei der Verfassungsneuordnung der schlechthinigeAusschluß aller Tyrannenherrschaft weitaus das Erste und Wich-tigste. Wenn Gott die Stadt in der größten Not schützte, so retteteer sie für sich selbst; fortan soll sie die Stadt Gottes sein, niemanddarf mehr zu sprechen wagen: „Florenz ist mein", wie esTyrannenart ist. Die frühere mediceische Mißwirtschaft, worunterdie Stadt in den letzten Jahrzehnten so schwer zu leiden hatte,war eine Heimsuchung Gottes, denn wenn Gott ein Volk züchtigenwill, so schickt er ihm ein schlechtes Oberhaupt, und wenn er eswieder begnaden will, so befreit er es von seinem Bedränger. Danun Gott das Volk um seiner Buße willen wieder in Gnaden auf-nahm, so ist es sein Wille, daß hier kein Tyrann mehr ersteht. Erselbst, der Frate, wird aus allen Kräften gegen jeden sein, dersolches versucht. Keine Tyrannenherrschaft wird fürder Bestandhaben, und wenn sich ein Bürger gleichwohl die höchste Gewaltanmaßen sollte, so ist es um sein Heil im Diesseits und Jen-seits geschehen. Mit Rücksicht auf das unermeßliche Unglück, daser über seine Mitbürger in staatlicher wie religiös-sittlicher Hin-sicht heraufbeschwört, soll er als todeswürdiger Verbrecher vogel-frei und jedermann nicht bloß berechtigt, sondern auch ver-pflichtet sein, ihn ohne weiteres in Stücke zu hauen 108 .

Nicht ein einzelner Bürger, sondern nur das Volk selbst sollnach Gottes Willen Träger der höchsten Gewalt und daher mit derBefugnis ausgestattet sein, die Ämter zu bekleiden. Gleich den her-vorragendsten Staatsmännern seiner Zeit und italienischen Hei-mat erblickte der Frate in der venetianischen Verfassung das alsAusfluß erlesener Weisheit wie langer Erfahrung bewährte Mustereiner möglichst freiheitlichen und doch strammen, in sich ge-festigten Staatsordnung, deren besonderer Vorzug für ihn in derhohen Bedeutung des großen Rats lag. So empfahl er denn in sei-nen Adventpredigten über Aggäus, die zum Teile unter Ausschlußder Frauen nur in Gegenwart der Männer und namentlich der