WARNUNG VOR DEM TYRANNEN 207
und Lustbarkeiten aller Art, um es vom Gedanken einer Beteili-gung an der Herrschaft fernzuhalten 92 . Er liebt es, mit auswärtigenFürsten und fremden Herrschern Freundschaft zu pflegen 93 , uman ihnen eine Stütze gegen seine Landsleute zu haben. Er ist vollFurcht und Argwohn gegen seine Mitbürger, voll Haß gegen dieRechtschaffenen, und sucht alle nur einigermaßen hervorragen-den Männer zu töten oder sonst unschädlich zu machen 94 . Erkann es nicht ertragen, daß ihm auch nur in den geringstenDingen, im Spiel, Reden, Turnier, Wettrennen oder in der Gelehr-samkeit jemand ebenbürtig sei 95 . Er richtet die Bürger auf jedeWeise zu Grunde und läßt sie nicht einmal heiraten, wie siewollen 96 . Er gefällt sich in dunkeln, zweideutigen Bescheiden undAntworten und will sich mehr erraten als klar vernehmen lassen 97 .Er ist stets darauf aus, Haß und Zwietracht unter der Bürger-schaft zu säen und zu nähren. Er untergräbt jede geordneteRechtspflege und heilsame Gesetzgebung. Er ist durch und durchvoller Selbstsucht und Eigennutz und hegt nicht den. leisestenSinn für das Gemeinwohl 99 . Sein Verstand, sein Wille, sein Ge-dächtnis, seine Einbildungskraft, kurz sein ganzes Sinnen undTrachten ist auf das Böse gerichtet 100 . Da er die drei HauptlasterHochmut, Wollust und Habsucht in sich vereinigt, so verkörperter der Anlage nach alle Sünden der Welt in sich 101 . In ihm wohntder Teufel, er ist ein Teufel und sogar noch schlimmer als derTeufel 102 . Und je weniger sich seine Tyrannei nach außen hinfühlbar macht, desto verschlagener und gemeingefährlicher ist er,und bei einem desto schlaueren Teufel ist er in die Schule ge-gangen 103 . Gerade in Florenz ist nun aber der Tyrann am aller-wenigsten am Platze, da er gerade hier der religiös-sittlichen Er-neuerung am allermeisten im Wege steht, zu der diese Stadt voranderen berufen ist und auch den Grund schon gelegt hat 104 .Nichts verfolgt der Tyrann ja mit größerem Hasse als wahresChristentum und ein frommes Leben, das seinem eigenen Treibenschnurstracks zuwiderläuft. Wenn er daher einen guten Bischof,Priester oder Mönch antrifft, so trachtet er ihn entweder zu ver-treiben oder durch Schmeicheleien und Geschenke zu bestechen,die schlechten Geistlichen aber stattet er mit Pfründen aus undbevorzugt sie auf jegliche Weise. Kurz, er verwüstet das ganzechristliche Leben, das größte Unglück gerade für Florenz, wo dasVolk einen religiösen Eifer an den Tag legt, daß es ein Kinderspiel