ao6 NEUORDNUNG DER VERFASSUNG
fällig und unter üblen Verhältnissen, sondern notwendig undwesentlich verbundenen politischen wie religiös-sittlichen Miß-stände — Ausführungen, die er dann in seiner, wenige Monatevor seinem Tode veröffentlichten „Abhandlung über dieVerfassungundVerwaltungderStadtFloren z" 81bündig zusammenfaßte. Die verheerenden Wirkungen derTyrannenherrschaft äußern sich nun aber nicht bloß auf poli-tischem, sondern auch, was ganz besondes bedenklich ist, ebensound noch weit mehr auf religiös-sittlichem Gebiete.. Denn derTyrann ist von Natur hochmütig 82 , da er sich über seine Mit-bürger erhebt, über Männer, denen er eher zu gehorchen als zugebieten verdiente. Er ist der Wollust ergeben 83 , da er in seinerewigen Unruhe und Sorge der sinnlichen Zerstreuung bedarf.Daher stellt er der Tugend ehrbarer Mädchen und Frauen nach,ja es gibt kaum einen Burschen mit annehmbarem Gesicht, dervor ihm sicher wäre. Da der Tyrann, um sich in seiner Herrschaftzu behaupten und seinen Leidenschaften zu frönen, viel Geldbraucht, so eignet er sich nicht bloß das Vermögen seiner Mit-bürger an, sondern vergreift sich auch an der Staatskasse 84 . Daer nun das unrechte Gut nicht zurückerstatten will und auchnicht kann, weil ihm sonst überhaupt nichts mehr übrigbliebe, soist es ihm fast unmöglich, sich zu bekehren 85 , zumal da er auchniemanden hat, der ihm die Wahrheit sagt. Denn er leidet nurSchmeichler in seiner Nähe und verkehrt nur mit Geistlichen undOrdensleuten, die ihm zu Gefallen reden, während er Männer, dieihm die Wahrheit zu sagen wagen, verbannt 66 . Um sich den An-schein der Frömigkeit zu geben, besucht er den Gottesdienst,macht alle Äußerlichkeiten mit und empfängt auch die Sakra-mente, um zu zeigen, daß er absolviert worden sei. Er bautKapellen und Tempel 87 und läßt Kirchengewänder anfertigen,richtet aber in Wirklichkeit durch das schlechte Beispiel, das ersamt seiner verworfenen Umgebung seinen Untertanen beständiggibt, die Religion und christliche Sitte zugrunde 88 . Wie desGlaubens, so der besonderen Leitung durch die Vorsehung bar,setzt er sein Vertrauen auf die Astrologie 89 . Er verschwendet dasKirchengut und stattet seine Günstlinge und Söhne mit Pfründenaus 90 . Wie Laien und Frauen, so müssen ihm selbst Geistlicheund Ordensleute als Späher dienen, die alles auskundschaften,was man überall spricht und tut 91 . Er füttert das Volk mit Festen