2o4 NEUORDNUNG DER VERFASSUNG
zu vergelten, nicht entgehen lassen und ihrem Werke dieselbenHindernisse bereiten, die sie ihm so gerne in den Weg legten.Doch stellte er die Person hinter die Sache und lieh dem Bergeseine mächtige Unterstützung, ohne gleich so manchen seinerOrdensgenossen an den geforderten Zinsen Anstoß zu nehmen.Wohl heiße es: „Leihet aus, ohne dafür etwas zu erwarten" (Luk6, 35). Doch widerspreche der vom Leihhause vorgeschriebeneZins diesem Gebote des Erlösers nicht, da er eben nicht für dasAusleihen, sondern zur Deckung der Verwaltungsunkosten ent-richtet werde. Freilich wäre es, bemerkte er zugleich, besser,wenn diese Kosten von der Gemeinde selbst bestritten würden, sodaß Zinsen nicht erhoben zu werden brauchten, wie es auch gutwäre, wenn dem erzbischöflichen Gerichtshofe der weltliche Armzur Bestrafung der Wucherer zur Verfügung stünde 68 . So konntedie Leihanstalt durch ein Gesetz vom 28. Dezember 1495 genehmigtund, vom großen Rat am 21. April 1496 gutgeheißen 09 , am 2. August1496 eröffnet werden 70 , um fortan eine segensreiche Tätigkeit zuentfalten. Savonarola hielt am Palmsonntage 1496 mit denKindern eine große Prozession zu ihren Gunsten ab, die 1500Dukaten abwarf 71 .
Wie für die Kleinen und Geringen, so erflehte SavonarolaBarmherzigkeit auch für die Großen und Vornehmen. Kaum warer aus Pisa zurückgekehrt, so war das erste Wort, das er dennach Rache an den Anhängern der gestürzten Regierung Fiebern-den zurief, die Friedensmahnung: Misericordia 72 . Und diese Mah-nung wiederholte er in der nächsten Zeit unermüdlich, überzeugt,daß ohne Ablegung des tief eingewurzelten Hasses an eine wirk-liche Gesundung der gesellschaftlichen Verhältnisse gar nicht zudenken sei. „Du bist grausam, warf er dem Volke vor 73 , undverübtest Grausamkeit. Trotz meiner ernstlichen Warnung ver-gössest du Blut. Ich sage dir dies nicht von mir aus, noch ausParteilichkeit für irgendwelche Person 74 , sondern lediglich imHinblicke auf das Gemeinwohl. Ich kenne keine andere Parteilich-keit als die für den Gekreuzigten. Hältst du mir. nun entgegen:Muß man denn die Übeltäter nicht bestrafen? so wisse, daß deinEifer nicht wahrer, sondern pharisäischer Gerechtigkeit ent-springt, die aus der Rachsucht hervorgeht. Wollte Gott nach derGerechtigkeit, nach der ihr schreit, mit euch verfahren, keine zehnvon euch allen blieben verschont 75 . Fragst du mich aber: Gut,