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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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SAVONAROLA UND DER MONTE 203

ein, indem er sich scharf gegen die Juden wandte und ihre Vertrei-bung forderte. Auch die Dienste der Kinder nahm er in Anspruch,die sich auf die Häuser der Juden stürzten und diese ums Lebenzu bringen drohten. Die Folge war, daß er von der Behörde derAcht, die, wie es hieß, von den Juden mit 20 000 Gulden bestochenwar, aus der Stadt verwiesen wurde — mit dem Berge der Mild-tätigkeit war es wiederum nichts 61 . Erst als sich Savonarola fürihn einlegte, nahm er feste Gestalt an und hatte Bestand.

Schon 1493 sah sich der Frate veranlaßt, zur Judenfrage Stel-lung zu nehmen. Bernhardin von Feltre hatte 1489 in Lucca dieErrichtung eines Leihhauses durchgesetzt, von Bischof Nikolauskräftig unterstützt, der die Erlaubtheit und Nützlichkeit einersolchen Anstalt aufs wärmste geschildert hatte 62 . Gleichwohl ver-stummte der Widerspruch nicht. Wie sich die Gegner zuvor schonder Hilfe Marianos von Gennazano bedient hatten, so gingen sienunmehr den berühmten Dominikaner 63 von Florenz um ein Gut-achten darüber an, ob es gestattet sei, die Juden als Geldverleiherin Lucca zuzulassen. Dieser erwiderte 64 ihnen mit echt scholasti-scher Spitzfindigkeit, nach der Lehre des hl. Thomas 65 sei denJuden der Aufenthalt in den Städten nicht zu verwehren, es steheauch nichts im Wege, ihnen Häuser zu vermieten, nur dürfe diesnicht zu dem ausdrücklichen Zwecke des Wuchers geschehen;seien sie dagegen um anderer staatlicher Vorteile willen aufge-nommen worden, so könne die Behörde, falls sie ihr Geschäftgleichwohl betrieben, ihnen dies nachsehen, nur müsse sie ihrenZinsfuß möglichst beschränken. Gerade dieser Obliegenheit kamjedoch die florentinische Obrigkeit am allerwenigsten nach. Sie sahruhig zu, wie die jüdischen Wucherer ihre Forderungen höher undhöher schraubten; schon verlangten sie einen Zins von 32 ^Prozent,so daß 100 Gulden, unter den damals üblichen Bedingungen aufZins und Zinseszins ausgeliehen, in 50 Jahren zu einer Schuld von49 791 556 Gulden anwuchsen 66 . Da somit die Darlehensverhält-nisse in Florenz nachgerade unerträglich geworden waren, soward das alte Verlangen nach Gründung eines Leihhauses immerdringlicher; namentlich der Prediger von hl. Kreuz drang darauf,die Juden "zu vertreiben und einen Berg der Barmherzigkeit zuerrichten 67 . Bei der Feindseligkeit, mit der ihm die Franziskanerauf Schritt und Tritt entgegentraten, lag die Befürchtung nahe,der Frate werde sich die Gelegenheit, ihnen Gleiches mit Gleichem