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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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PREDIGTEN ÜBER AGGÄUS igg

So lagen die Dinge, als Savonarola am ersten Adventsonntage,30. November 1494, diePredigtenüberdenProphetenA g g ä u s wieder aufnahm, die er am Allerheiligenfeste begonnenhatte. Es war zu erwarten, daß bei dem Zustande völliger Zer-fahrenheit, der die damalige Lage der Arnostadt kennzeichnete,wie bei der hohen Verehrung, die das Volk seinem Propheten ent-gegenbrachte, sein Wort die Richtung bestimmen werde, in dersich die Dinge für die nächste Zukunft entwickeln mußten. SeinWort aber war eine Stimme der Barmherzigkeit, der Liebe undFreiheit. Barmherzigkeit für die Notleidenden, Verzeihung allenpolitischen Gegnern und Freiheit von jedem Tyrannenjoche, daswaren die Leitsätze, die seine Predigt beherrschten. Seine ersteSorge galt den Armen. Er empfahl 33 die Veranstaltung zweierSammlungen^ deren Ertrag den Bedürftigen der Stadt und Um-gebung zufließen sollte. Demselben Zwecke sollte eine große Pro-zession am Feste Maria Empfängnis dienen. Zugleich regte er an,das Geld, das bisher für den Unterhalt der Universität Pisa ver-wendet worden war, jetzt aber, nach dem Abfalle dieser Stadt,seiner Bestimmung nicht zugeführt werden konnte, für die Armenzu verwenden. Sollte auch dies noch nicht ausreichen, so mögeman Hand an die Kirchengeräte legen. Er drang darauf, daß mandie Werkstätten öffne, auf daß die Armen Arbeit und Verdienstfinden könnten, und stellte den Gläubigen vor, niemand könne esmit seinem Gewissen vereinbaren, die Armen Hungers sterben zulassen, selbst aber im Überflusse zu schwelgen, zumal nach dereinhelligen Lehre der Väter, eines Ambrosius, Hieronymus undAugustin, jeder überflüssige Besitz Diebstahl sei 34 . Gott, erklärteer 35 , wird uns am Tage des Gerichtes nicht darüber zur Rechen-schaft ziehen, ob wir eine Kirche oder ein Kloster gebaut oder unssonstiger äußerer Zeremonien befleißigt, sondern ob wir die Hung-rigen gespeist haben. Darum stellet den Armen Getreide zu billigemPreise zur Verfügung 36 ! Freilich haben nur d i e Armen auf Almo-sen Anspruch, die nicht arbeiten können. Wer sich unterstützenläßt, obschon er für seinen Lebensunterhalt selbst zu sorgen ver-mag, der stiehlt den Armen das Brot weg und ist zur Rückerstat-tung alles dessen verpflichtet, was er über sein Bedürfnis hinausempfing. Endlich müssen sich die Armen der ihnen erwiesenenWohltaten durch einen ehrbaren Wandel würdig erweisen, sonstsind sie das Wasser nicht wert, das sie trinken 37 . — Die Berufung