IÖ6 KARL VIII. IN FLORENZ
Soderini, Bischof von Volterra, der spätere Kardinal, war der erste,der sich in diesem Sinne aussprach 40 , und sechshundert Bürger,die angesehensten Männer der Stadt, waren derselben Meinung 41 .Allein Karl VIII. war im Palaste der Medici einquartiert, seinOheim Philipp von Bresse wohnte bei Lorenz Tornabuoni, einemder nächsten Verwandten und treuesten Anhänger des mediceischenHauses. Von der Gattin und Schwiegermutter wie von den sonsti-gen Anverwandten des Geächteten unaufhörlich mit Schmeiche-leien, Bitten und Flehen bestürmt und mit den bittersten Klagenüber die Ungerechtigkeit der ihm widerfahrenen .Behandlung über-häuft, von natürlichem Mitgefühl über sein hartes Los gerührt,vielleicht auch durch reiche Geschenke gewonnen 42 ,; zeigten sichder König und sein Onkel für Peter so eingenommen, daß esschwer schien, sie von ihrer Forderung abzubringen, zumal dieVorstellung ihre Wirkung nicht verfehlt hatte, daß es die Über-gabe der Festungen, also gerade seine Verdienste um den König,gewesen seien, was den Anlaß zur Vertreibung Peters gegebenhabe. Die Signorie mußte überdies selbst gestehen, daß das Ver-langen des Königs nicht unbillig sei, die wider den Verbanntenerhobenen Anklagen gewissermaßen als Schiedsrichter zu prüfenund den Beklagten auch selbst zu hören, wie man sich anderseitsnicht verhehlen konnte, daß Peter, aus der Verbannung zurück-gekehrt, im Vereine mit seinen Getreuen für die ihm angetaneUnbill blutige Rache an seinen Gegnern nehmen und so einenBürgerkrieg heraufbeschwören würde, der bei der Anwesenheitder Franzosen und ihrer mit Sicherheit zu erwartenden Ein-mischung in diese Händel unabsehbare Folgen nach sich ziehenmußte. Freitag, der 21. November, war der gefährliche Tag, andem die Gegensätze zu einer Schärfe gediehen waren, daß derBruch und der Kampf auf Leben und Tod, falls beide Teile aufihrem Standpunkte verharrten, unabwendbar erschien. Schon amTage zuvor hatte die Signorie in der Person Bernhard Rucellaiseinen Gesandten nach Mailand beordert 43 . Sie wußte sehr wohl,daß es eben der Haß des Mohren gewesen war, was den SturzPeters hauptsächlich herbeigeführt hatte, und war überzeugt, derrachgierige Fürst werde sein Werk nicht verleugnen und die Rück-kehr der Medici nimmermehr dulden. Am Freitagmorgen kamdes Mohren Schwiegersohn Galeazzo von Sanseverino zum Könige,um ihn von seinem Vorhaben einer Zurückberufung Peters ati-