SAVONAROLA (ALS FÜRSPRECHER) BEI KARL VIII. 187
zubringen. Vom Bischöfe von S. Malo, dem alten Gegner desMedici, nachdrücklich unterstützt, trat er in diesem Stücke umso lieber für die florentinischen Parteigänger seines Schwieger-vaters ein, je eifriger er zur gleichen Zeit dessen Ansprüche aufdie Lunigiana samt Pisa und Livorno zum empfindlichsten Nach-teile der Florentiner betrieb". Auf seiner Seite stand Ferdinand,der Sohn des Herzogs von Ferrara, und ganz besonders KardinalJulian della Rovere, der gleichfalls der Meinung war, die könig-liche Forderung sei nur allzusehr geeignet, sowohl der Stadt Flo-renz wie dem Monarchen selbst ernste Schwierigkeiten zu bereiten,ja sein ganzes weiteres Unternehmen in Frage zu stellen oderdoch zu verzögern 45 . Starken Eindruck machte auf Karl VIII. dieverzweifelte Haltung etwa fünfhundert florentinischer Bürger, diesich gegenseitig das Wort gegeben hatten und in seiner Gegenwartwiederholten 46 , lieber Leben, Weib und Kind und Vermögen inlldie Schanze zu schlagen, als in die Rückkehr des Tyrannen zuwilligen. Den Ausschlag gab aber die Abwesenheit Peters, dessenkopflose Flucht sich nun rächte. Wäre er persönlich zugegen ge-wesen, so hätte er beim Könige unschwer die Oberhand über seinefeindlichen Mitbürger davongetragen. Nun aber, da er in derFerne weilte, behielten die Anwesenden recht, und er blieb fürimmer verbannt.
Aber noch war nicht alle Gefahr beschworen. Man schwebteimmer noch in tödlicher Angst, der König möchte die Stadt derPlünderung überlassen. Ohnehin suchten seine Soldaten nach
einem Vorwande zum Rauben und Morden 47 , und da sie von der / v
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Bürgerschaft selbst angegriffen und wie Hunde hingeschlachtetwurden 48 , so war es sehr schwer, sie im Zaume zu halten. Indieser äußersten Not nahm man seine Zuflucht wieder zu Savo-narola, obschon es nicht an Stimmen fehlte, welche die Befürch-tung aussprachen, er möchte sich am Ende gar auch selbst fürPeter verwenden 49 . Man wußte, der Mönch besaß Macht über dieSeele des Königs, und so baten ihn die Signoren, einen letztenVersuch zu wagen, den Herrscher von seinem unheilvollen Ver-suche abzubringen. Es war derselbe 21. November, der schon inden Verhandlungen wegen der Zurückberufung Peters die Ent-scheidung gebracht hatte. Der Prediger war sich der Größe derGefahr voll bewußt und auf das Schlimmste gefaßt. „Ich fürchte,"erklärte er seinen Brüdern 50 unmittelbar bevor er seinen schweren