PICOS TOD 183
von ihm bei seiner seltenen Kenntnis der hebräischen, chaldäischenund arabischen Sprache die wertvollsten Dienste für das großeWerk versprach, das ihm vor Augen schwebte, die Bekehrung derUngläubigen. Wiederholt forderte er ihn auf, dem göttlichen RufeGehör zu schenken, und drohte ihm mit Gottes Zorn, wenn ernoch länger säume. Es war umsonst. Camilla Rucellai, eine edleFlorentinerin, die im Gerüche prophetischer Begabung stand, sagte1492 voraus, Pico werde auf Zureden des Bruders Hieronymuszur Zeit der Lilien dem Predigerorden beitreten, zugleich werdeeine zur Zeit noch verbannte florentinische Familie in die Heimatzurückkehren. Alles zerbrach sich über die Weissagung den Kopf;man meinte, sie beziehe sich auf das Frühjahr, wenn die Lilienblühten 31 . Am 1. September 1493 schrieb Johann Pico eigenhändigseinen letzten Willen nieder, in dem er seine beweglichen Güterseinem Bruder Anton Maria, seine unbeweglichen dem SpitaleS. Maria Nuova von Florenz vermachte 32 . In den ersten November-tagen 1494 von einem hitzigen Fieber ergriffen, das aller ärztlichenKunst spottete und seine durch die Studien und Abtötungen derletzten Jahre geschwächten Kräfte vollends aufzehrte, konnte ersich über den Ernst seiner Lage keiner Täuschung hingeben. AmSonntage, 16. November, traf er eine nachträgliche Bestimmung 33zu seinem Vermächtnisse zugunsten seiner Nichte Ginevra, derTochter seines Bruders Anton Maria, der er eine Mitgift von 2500Dukaten zuwandte. Zugleich überließ er das Vieh auf seinen Be-sitzungen seinem Gutsverwalter Martin von Casalmaggiore, demBruder seines Kanzlers Christoph von Casalmaggiore, der nun-mehr den Tod seines Herrn in der Furcht, dieser könnte bei län-gerem Leben eine andere Bestimmung treffen, durch Gift be-schleunigte 34 . Savonarola und Robert Ubaldini, der Sakristan vonS. Marco k waren bei dieser letzten Willenserklärung Picos alsZeugen zugegen 35 . Heiter und gottergeben ruhte der Kranke aufseinem Lager, empfing andächtig die Sakramente und beteuerteden Brüdern von S. Marco, die ihm in seiner letzten Not beistanden,seinen unverbrüchlichen Glauben an die Lehren der Kirche. Inder Nacht erschien ihm die Himmelskönigin, erquickte seineschmerzgefolterten Glieder und gab ihm die Versicherung, erwerde dem Tode nicht erliegen. Am folgenden Tage, dem 17. No-vember, als sich die Stadt mit französischen Truppen füllte,hauche er seine Seele aus 36 , nachdem er das Gelübde des Ordens-