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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
182
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r82 KARL VIII. IN FLORENZ

wunden, als er im September 1494 in Polizian wiederum einenseiner besten Freunde in der Blüte seiner Jahre ins Grab sinkensah; und die schmähliche Vertreibung Peters sowie der Zusammen-bruch der mediceischen Herrschaft mußte ihn vollends aufs tiefsteerschüttern. Seit seiner Rückkehr aus Frankreich führte er inFlorenz einem Ordensmanne gleich das Leben eines Heiligen,betete Tag für Tag wie ein Geistlicher das Brevier, hielt gewissen-haft die kirchlichen Fasten, übte strenge Enthaltsamkeit undgeißelte seinen Leib an allen dem Leiden Christi geweihten Tagen 27 .Die eitle Ruhm- und Wißbegier dieser Welt hatte er abgelegt. Erwollte nunmehr eine fromme, christliche Philosophie pflegen, wieer an seinen Freund, den Karmeliten Baptist von Mantua, denberühmten Dichter und Humanisten 28 , schrieb 29 , überzeugt, daßdie Gesundheit, Festigkeit und Kraft der Seele nur aus einem reinenLeben, aus einem lauteren Wandel und aus der göttlichen Religionentspringe. Der florentinische Humanist Peter Ricci, genannt Cri-nitus 30 , war Zeuge einer gelehrten Unterredung, die in der Biblio-thek S. Marco stattfand und an der sich auch Savonarola beteiligte.Pico lieh seiner bekannten Anschauung von der inneren Ver-wandtschaft des Christentums nicht bloß mit der klassischenPhilosophie, sondern auch mit den Religionen der Völker desAltertums Ausdruck.Hermes," erklärte er,der größte Philo-soph, Priester und König der alten Ägypter, teilte durchaus dieLehre des Moses; auch Pythagoras kam nach Ägypten und eig-nete sich hier die Weisheit der Hebräer an. Plato war von ihr sosehr durchdrungen, daß man ihn als griechisch redenden Mosesbezeichnen darf, Zoroaster, von vielen als Meister der Theurgie,der Kabbala oder Magie angesehen, war auf nichts so sehr alsauf die Erkenntnis Gottes und auf die rechte Art seiner Verehrungbedacht." Da umarmte Savonarola den Grafen mit den Worten:Du bist gegenwärtig der einzige, der in der Philosophie der Altenir^ w ^ e m der christlichen Religion vollkommen Bescheid weiß undden großen Gelehrten der Vorzeit, einem Hieronymus und Augu-stinus, Männern wie Basilius, Gregor von Nazianz und von Nyssaund Dionysius, ebenbürtig an die Seite treten darf."

Aus gelegentlichen Äußerungen Picos hatte Savonarola den Ein-druck gewonnen, daß dieser von Gott zum Ordensberufe erkorensei; er hätte es freudig begrüßt, den genialen Jüngling mit demGewände des heiligen Dominikus bekleiden zu dürfen, da er sich