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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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i84 KARL VIII. IN FLORENZ

eintrittes abgelegt und daraufhin das Kleid der Predigerbrüderempfangen hatte 37 . Somit hatte Camilla Rucellai mit ihrer Weis-sagung doch recht behalten. Zur Zeit der Lilien des französischenKönigs, der Lilien in seinem Wappen führte, war Pico Domini-kaner geworden, und schon war die Familie Pazzi aus langjährigerVerbannung in die Heimat zurückgekehrt. Savonarola aber rich-tete nach Beendigung seiner nächsten Predigt im Dome die fol-genden Worte an seine Zuhörer:Ein Geheimnis muß ich dir,o Florenz, eröffnen, das so wahr wie das Evangelium Johannisist, das du im Munde zu führen pflegst. Ich hätte gerne ge-schwiegen, sehe mich aber zu reden gezwungen, da mir einer,der mir befehlen kann, die Kundgabe gebietet. Wohl niemandist unter euch, der den Grafen Johann Pico von Mirandola nichtgekannt hätte, den Gott mit so großen Wohltaten und Gnadenüberhäuft und mit so reichen Anlagen ausgestattet hatte. KeinSterblicher wohl hatte einen Geist wie er, die Kirche erlitt mitseinem Tode einen schweren Verlust. Ich möchte vermuten, erhätte, wäre ihm ein längeres Leben beschieden gewesen, alle, dieseit achthundert Jahren auf Erden weilten, mit seinen Schriftenin den Schatten gestellt. Aus den Mitteilungen, die er mir im ver-trauten Umgange machte, erkannte ich, er sei von Gott durchinnere Stimmen zum Eintritte in unseren Orden berufen worden;und diesen Eingebungen zu entsprechen bereit, hatte er sichwiederholt zu gehorchen vorgenommen. Aber den göttlichen Wohl-taten gegenüber undankbar oder von seinen Sinnen verlockt,scheute er die mit dem Eintritte in den Orden verbundenen Be-schwerden, wie er denn auch von zartem Körperbau war. Viel-leicht auch meinte er, die Religion bedürfe seiner Hilfe, und soschob er seinen Eintritt noch auf einige Zeit hinaus; doch möchteich dies nicht als Tatsache, sondern lediglich als eine Vermutungvon mir hinstellen. Daher drohte ich ihm vor zwei Jahren eineZüchtigung an, wenn er sich in Ausführung des ihm von Gott ge-wordenen Auftrages lässig erweise. Ich bat auch Gott, wie ichgestehe, wiederholt, ihn etwas zu züchtigen, auf daß er den ihmvon oben gewiesenen Weg endlich beschreite; freilich wünschteich ihm die Heimsuchung nicht, die ihn schließlich ereilte. Gottnahm ihn aus dieser Welt, entzog ihm einen Teil der ihm imHimmel bereiteten Herrlichkeit sowie des glänzenden Ruhmes, dener bei noch längerem Leben im höchsten Maße geerntet hätte.