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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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PICOS LETZTE K RANKHEIT _______________ ijh

er es auf die Eroberung Jerusalems abgesehen habe. Wenn ernach Florenz kommt, so kommt er in sein Eigentum, und dieSeinigen nehmen ihn mit ganzem Herzen auf. (Joh. 1, 11.) WieChristus, in dessen Fußstapfen er wandelt, wird auch er ausrufen:Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich willeuch erquicken." (Matth. 11, 28.) Das Volk aber wird ihm zu-jauchzen:Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!"(Matth. 23, 39.)Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat,lasset uns frohlocken an ihm und uns freuen." (Ps. 117, 24.) DasVeni, vidi, vici" Cäsars wird die Geschichte einst auch von Karlmelden. Doch wird er den Sieg nicht mit seinen Maschinen, son-dern einem neuen Jupiter gleich gewissermaßen auf einen bloßenWink hin erringen und mit Recht Herr nicht bloß Galliens, son-dern der ganzen Welt heißen.

Marsilius Ficinus wußte auch den Grund anzugeben, warumKarl VIII. gerade am 17. November in Florenz hatte einziehenmüssen. Es geschah, ihm zufolge, weil an diesem Tage Graf Picovon Mirandola aus dem Leben schied;die Vorsehung entzündetestatt des erloschenen philosophischen Lichtes das Licht desKönigs, auf daß es nicht einen Tag gebe, an dem Florenz imDunkel liege" 24 . Nach langem Harren hatte Pico die Freude er-lebt, von Alexander VI. durch das Breve vom 18. Juni 1493 Los-sprechung von allen Zensuren und von jedem Makel der Ketzereizu erlangen. Die Gnade, welche Innozenz VIII. selbst seinem ver-wöhnten Lieblinge Lorenzo de' Medici trotz seiner unaufhörlichenBitten auf Grund der Gutachten seiner Theologen, dieser ver-folgungssüchtigen Teufel, wie Lorenzo sie nannte 25 , hartnäckigverweigert hatte, gestand sein Nachfolger an der Hand eines Gut-achtens anderer Theologen bereitwillig zu. Es war der letzteFreudenstrahl, der im Leben Picos aufleuchtete. Das Jahr zuvorhatte er in Lorenzo einen warmen Freund verloren, der sich seinerstets wie ein treu besorgter Vater angenommen und ihm bis zumletzten Hauche seines Lebens eine aufrichtige, ja zärtliche Liebebewahrt hatte. Noch auf dem Sterbebette hatte er sehnlich nachihm verlangt. Wie Sonnenschein war es über seine fahlen Zügegehuscht, als Pico an seinem Lager erschien; jetzt scheide er lieber,flüsterte er 26 , da er seine brechenden Augen noch am Anblickeseines liebsten Freundes habe sättigen dürfen. Noch hatte Picoseinen herben Schmerz über den Verlust Lorenzos nicht ver-