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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
180
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iöo KARL VIII. IN FLORENZ

gegenzusehen und die nötigen Vorkehrungen zu treffen, um ihmzwar nach wie vor ihre Freundschaft zu bezeigen, aber auch keineZweifel daran übrigzulassen, daß sie keine Übergriffe ertragenwerde. Man traf daher die sorgfältigsten Vorbereitungen zu einemmöglichst glänzenden Empfange, versäumte aber auch nicht, alleGeld- und Wertsachen und was sich an Kostbarkeiten überhauptbeseitigen ließ, in der Umgebung in Sicherheit zu bringen. Daman erfahren hatte, daß sich der König samt seinen Truppen be-sonders in Lucca den schlimmsten Ausschweifungen hingegebenhatte 17 , so wurden die jungen Frauen und Mädchen, auch dieöffentlichen Dirnen, in den benachbarten Ortschaften oder inKlöstern versteckt 18 . Zum Schutze der Stadt gegen einen feind-lichen Angriff verbarg man Soldtruppen in den geräumigen Häu-sern der Vornehmen 18 und wies überdies die Bewohner der Vor-orte und nahen Landgemeinden an, auf ein gegebenes Glocken-zeichen hin bewaffnet herbeizueilen, so daß im Falle der Not so-fort 30 000 Mann zur Verteidigung der Stadt bereitstanden.

Am 17. November, nachmittags, rückten die Franzosen in derStadt ein, 8000 Mann zu Pferd und 4000 zu Fuß 20 . Der Anblickder fremden, fast aus allen Völkern des Abendlandes zusammen-gelesenen Truppen, deren unheimliche Gestalten und seltsameRüstungen im düsteren Dämmerlichte eines regnerischen Novem-bertages und abends beim unsicheren Lichte schwälender Fackelnerst recht gespenstisch erschien, dazu die Ankunft so vieler hoherHerren und besonders des jetzt schon sagenumwobenen Königshatte natürlich eine zahllose Menschenmenge herbeigelockt, ob-schon in den letzten Wochen wenige Tage vergangen waren, andem nicht eine feindliche Vorhut oder dieser oder jener vor-nehme Herr eingetroffen wäre. Namentlich war der KardinalJulian della Rovere der Armee des Königs vorausgeeilt und schonam 13. November in der Stadt angelangt, von den Bürgern aufsehrenvollste empfangen 21 . Der Einzug des Königs verlief, wie einAugenzeuge noch am selben Tage berichtete, so großartig, als wäreein Gott auf Erden" 22 erschienen. Marsilius Ficinus, der berühmtePlatoniker, hielt eine Begrüßungsansprache an den GallierkönigKarlden Großen" 23 . Wenn dieser, erklärte er, sein Unternehmenauf göttliche Sendung zurückführt, so ist das florentinische Volkhiervon durchaus überzeugt, da es ohnehin wahrscheinlich ist,daß der allerchristlichste König von Christus gesandt sei, zumal