PETER DE' MEDICI VERTRIEBEN 177
die letzte, die Peter, ohne es zu ahnen, im Schöße seiher Familie,unter dem Dache seiner Väter zubringen sollte. Am folgendenTage, es war Sonntag, 9. November, an den man das Fest des Er-lösers beging, begab er sich in Begleitung zahlreicher Bewaffneternach dem Palaste der Signorie, unter welcher er in Männern wieAnton Lorini, Franz Taddeo und Franz Niccolini warme Freundebesaß. Aber die Mehrzahl war ihm feindlich gesinnt, und ebenihrer gedachte er sich zu bemächtigen. Zu diesem Zwecke galt es,den Palast zu besetzen. Als er jedoch am großen Tore pochte undEinlaß begehrte, erhielt er von Jakob de' Nerli den Bescheid, nurdurch die kleine Pforte dürfe er eintreten, und nur ohne Beglei-tung. In ohnmächtigem Zorne kehrte er nach Hause zurück, vonden Kindern mit Steinen beworfen 3 . Und schon ertönte das Glok-kenzeichen, das die Bürgerschaft unter die Waffen rief. Als er sichneuerdings auf die Straße wagte, begegnete er überall düsterenMienen und dräuenden Speeren, überall vernahm er den aufrüh-rerischen Ruf „Volk und Freiheit", überall ward er von einemHagel von Steinen empfangen. Nur wenige fand er zur Hilfe be-reit, er sah keine Hand zu seinem Schutze geregt, kein Schwert zuseiner Hilfe gezückt. Aus Furcht für sein Leben unternahm er dasTörichteste, was er tun konnte, und floh aus der Stadt. Sein Bru-der Julian schloß sich ihm an, ebenso Peter Bibiena, der Kanz-ler, und dessen Bruder Bernhard. Johann Medici, der Kardinal,versuchte zunächst noch, das aufgebrachte Volk zu beruhigen.Bald gewahrte er jedoch, daß auch er nicht imstande sei, denSturm zu beschwören, verzweifelt gab auch er alles verloren. Daeilte er nach Hause, warf sich in seinem Zimmer auf die Knie nie-der und flehte mit gefalteten Händen den Himmel um Rettung an*.Dann hüllte er sich in eine Franziskanerkutte und suchte inS. Marco Zuflucht, ergriff aber, als er die Türen verschlossen fand,gleich seinen Brüdern die Flucht 5 . Sie schlugen die Richtung nachBologna ein, verfolgt von den Verwünschungen ihrer Mitbürger,von der Signorie geächtet. Aber die Mühe, den Flüchtlingen nach-zusetzen, nahm sich der Pöbel nicht. Er hatte viel Wichtigeres zutun. Unverweilt stürmte er den mit Kunstwerken und Kostbar-keiten aller Art vollgepfropften Palast der Medici, um seine Raub-gier zu stillen. Der Gattin und Schwiegermutter Peters riß er denSchmuck vom Leibe. Nur was an Geld und Wertsachen in allerEile nach S. Marco hatte geschafft werden können, oder niet-und
12 Schnitzer, Savonarola