X. Kapitel.
VERTREIBUNG DER MEDICI.KARL VIII. IN FLORENZ.
(Während Savonarola mit seinen Begleitern in Pisa vor dem An-gesichte des Königs stand, vollzog sich in Florenz das Ereignis,das längst vorbereitet und von vielen ungeduldig erwartet war 1 :I der Sturz der Medici. Seitdem er sich mit dem Könige ausgesöhnthatte, befand sich Peter nirgends sicherer als eben an seiner Seite.Die Klugheit gebot ihm, von ihr nicht mehr zu weichen, schon umden gehässigen Umtrieben des Mohren wie seiner beiden Vetternzu steuern. Wenn er mit seinem hohen Verbündeten und Gönneran der Spitze eines mächtigen Heeres in Florenz einzog, so konnteer gründliche Abrechnung mit seinen Gegnern halten und dafürsorgen, daß fürder kein Widerspruch mehr gegen ihn laut wurde.Durch die Kunde von der bedrohlichen Gärung, die sich der Bür-gerschaft ob der Übergabe der Festungen bemächtigt hatte, ließ ersich jedoch dazu verleiten, vorzeitig nach Hause zu eilen undeinzugreifen, und das sollte ihm zum Verhängnis gereichen. AmSamstag, 8. November, in Florenz angelangt, stellte er sich sofortder Signorie und setzte sie von seiner Vereinbarung mit dem Kö-nige in Kenntnis. Wie er selbst finsteren Gesichtern begegnete, sostand auch in seinen Zügen nichts Gutes zu lesen. Beiden Teilenwar klar, daß das Verhängnis unabwendbar sei, wie Fechter späh-ten sie nach einer Schwäche des Gegners, um zum tödlichenStreiche gegen ihn auszuholen. Am meisten mußten sich die Bür-ger für gefährdet halten, die sich in den letzten Zeiten zu sehr her-vorgewagt hatten, Männer wie Lucas Corsini, Jakob der SohnTanai de' Nerlis, Gualterotto Gualterotti und besonders PeterCapponi; sie waren denn auch in der Verzweiflung zum Äußerstenentschlossen 2 . Um das seinem Hause von alters her ergebene nie-dere Volk an sich zu fesseln, ließ Peter Wein und Confetti aus-teilen. 500 Berittene hielten sich unter dem Befehle seines VettersPaul Orsini an den Stadttoren bereit. So ward es Nacht; es war