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1 (1924) Das Leben
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KARL VIII. IN FLORENZ

nagelfest war, entging den Klauen des räuberischen Gesindels, dasFreiheit" brüllte und Plünderung meinte". Ebenso fielen derVolkswut Haus und Habe der Männer zum Opfer, die als will-fährige Werkzeuge der Medici beim Vollzuge der harten Steuer-gesetze mit dem allgemeinen Fluche beladen waren, Anton Miniatound Johann Guidi von Pratovecchio. Die Meute hatte sich auchauf das Haus Agnolo Niccolinis, der alles bei Peter gegolten hatte,gestürzt und bereits Feuer ans Tor gelegt, ließ sich aber durch dasgütliche Zureden Franz Gualterottis und anderer besonnener Män-ner beschwichtigen. Der Jubel über die in so kurzer Zeit und ohneBlutvergießen oder ernsten Kampf gelungene Vertreibung der Me-dici war grenzenlos 7 . Man pries es als eine augenscheinliche Fü-gung Gottes, daß die Stadt gerade am Feste des Erlösers vomJoche der Tyrannei erlöst worden sei 8 , unter dem sie seit 60 Jah-ren geschmachtet hatte, und beschloß, den 9. November künftigals Festtag zu feiern.

Aber ein bitterer Wermutstropfen fiel in den schäumenden Be-cher der Freude, an dem sich die Arnostadt berauschte: die Nach-richt vom Abfalle Pisas. Im Jahre 1406 nach langem heldenhaftenKampfe durch Verrat unter die Herrschaft der Florentiner ge-raten, hatten sich die Pisaner nur schwer ins Unabänderliche ge-fügt und mit verhaltener Wut die harte Behandlung ertragen, dieihnen von ihren übermütigen Siegern zuteil wurde 9 . Mit der An-kunft des fremden Eroberers schien ihnen ein Hoffnungssternaufzuleuchten. Gierig lauschten sie den verführerischen Beden,mit denen sie Galeazzo di Sanseverino, des Mohren Schwieger-sohn, der im Gefolge des Königs in Pisa mit eingerückt war, zurWiederherstellung ihrer alten Freiheit und Zerbrechung des fio-rentinischen Joches anfeuerte. Längst lauerte ja der Mohr auf eineGelegenheit, das tyrrhenische Küstenland mit Livorno und Pisaan sich zu reißen und mit Genua, das er bereits besaß, zu verei-nigen. Der Warnung des Kardinals Julian della Bovere ungeach-tet, schenkten die Pisaner den mailändischen Lockungen willigesGehör, bestürmten den König um Befreiung von ihren verhaßtenZwingherren und benützten ein von ihm in halbem Mißverständnishingeworfenes Wort, um die florentinischen Behörden zu ver-jagen, den marmornen Löwen, Marzocco genannt, der als Sinn-bild florentinischer Oberherrschaft auf dem Pontevecchio prangte,im Kote zu schleifen und zu zertrümmern, die alte Zitadelle zu be-