i ? 4 SAVONAROLA UND KARL VIII.
Seither ließ er bis heute niemals davon ab, das Volk aus allenKräften zur Buße zu ermahnen. Zeuge dessen ist die gesamte Stadt,Zeugen sind die Vornehmsten und die Geringen, die Alten undJungen beiderlei Geschlechts, die Stadt- wie die Landleute, vondenen nur wenige glaubten, einige allen Glauben verweigerten,verschiedene mit Hohn erwiderten. Gott aber, der nicht lügen kann,ließ alles, was bisher seinem Auftrage gemäß vorhergesagt war,bis ins kleinste eintreten, auf daß die Sterblichen nicht zweifelten,daß auch das, was vom Geweissagten noch ausstehe, ohne Zweifelebenso in Erfüllung gehe. Daß es aber also geschah, dessen sinddie erwähnten Zuhörer ebenfalls Zeugen. Und wenn auch derselbeunnütze Knecht deine Majestät niemals ausdrücklich mit Namenn yj^Ji *, ■ nannte, da e s ihm Gottes Wille noch nicht erlaubte, so war doch. Jl sie es, die er in seiner Predigt umschrieb und versteckt bezeich-nete, ihre Ankunft war es, die er in Aussicht stellte.
Und endlich bist du nun da, o König, bist da als Gottes Voll-zugsorgan, bist da als Vollstrecker seiner Gerechtigkeit! Heilimmerdar deiner Ankunft! Mit frohem Herzen und heiterem Ant-litze begrüßen wir dich. Deine Ankunft erquickt unsere Herzen,erfreut unseren Sinn und erfüllt alle Diener Christi, alle Jüngerseiner Gerechtigkeit und alle Eiferer eines heiligen Lebens mitJubel. Denn sie hoffen, Gott werde sich deiner bedienen, um dieHochmütigen zu erniedrigen, die Niedrigen zu erheben, das Lasterniederzuwerfen, die Tugend zu verherrlichen, das Krumme zuebnen, das Veraltete zu verjüngen und das Entartete zu reformie-ren. So tritt denn freudig heran, im sicheren Bewußtsein deinesTriumphes, da ja der dich sendet, der am Kreuzesholze zu unse-rem Heil triumphierte! Nichtsdestoweniger, christlicher König,vernimm aufmerksam meine Worte und beherzige sie wohl! Derunnütze Knecht, dem dieses Geheimnis von seiten Gottes, nämlichder heiligsten Dreifaltigkeit, des Vaters, des Sohnes und des hei-ligen Geistes, und unseres Erlösers, wahren Gottes, Gottessohnesund wahren Menschen, des Königs der Könige und des Herrn derHerrscher, und ebenso von seiten des ganzen himmlischen Hofesgeoffenbart ward, der ermahnt dich und fordert dich auf, du mö-gest als Gottes Gesandter 70 nach Gottes Vorbild überall Barmher-zigkeit walten lassen, ganz besonders aber in seiner Stadt Florenz,die, obschon mit schwerer Sündenmenge belastet, gleichwohl vieleDiener Gottes beiderlei Geschlechtes, Weltleute sowohl wie Or-