Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
170
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SAVONAROLA UND KARL VIII.

schauung heimisch, ihm sei das Kaisertum über das Abend- undMorgenland beschieden, namentlich gehöre das ehemalige Kaiser-tum der Griechen den Franzosen 41 . Als Träger des KaisertumsKarls des Großen erschien Karl VIII. in den Augen der Italienernun aber auch als gottbegnadeter Reformator der Kirche. Selbstam römischen Hofe hegte man das Gefühl, Gott habe diesen Für-<* sten zu seinem besonderen Werkzeuge ausersehen, um in seinerheiligen Kirche Großes zu wirken, da man sich nicht verhehlte,daß sich die Kirche Christi unter Alexander VI. in wenig löblichemZustande befinde 42 . Eben weil man ihn für den Erneuerer der/ry»* kirchlichen Zucht hielt, nannte man ihn einenheiligen Mann" 48 .K J, miJ j iWi Man verherrlichte ihn als den Befreier Italiens nicht bloß, sondernauch der römischen Kirche, als den heiligsten Erweiterer deschristlichen Glaubens 44 . Man besang ihn als den neuen Konstantin,fr**-** ri" der die Kirche reformieren und der heiligen Herde einen neuenHirten, statt eines Alexander einen Gregor geben werde; überallwerde es heißen: Der Frankenkönig, der König der Christen, ent-riß das arme Reh den Zähnen der Hunde 45 . Noch ehe er den ita-lienischen Boden betreten hatte, hieß es hier allgemein^er werdeein allgemeines Konzil berufen und den Papst wegen offenkundigerSimonie, unsittlichen Lebenswandels und verschiedener Mord-taten absetzen 48 , zumal er im Rufe stand, ein großer Eiferer fürdie Religion und kirchliche Zucht zu sein 47 . Schon sein VaterLudwig XI. hatte sich mit dem Gedanken eines allgemeinen Kon-zils zur Hebung der kirchlichen Schäden getragen 48 . Er selbsthatte im Juli 1493 durch das Parlament und die Universität vonParis eine Reform der gallikanischen Kirche beantragen lassen,die eine Reform der Gesamtkirche nach sich ziehen mußte 40 . Erhatte den Papst mit dem Konzile und mit der Einstellung allerGeldsendungen nach Rom bedroht 50 . Eine Reihe von Kardinälenstand auf seiner Seite, entschlossen, dem Papste den Gehorsamaufzukünden, da er nicht rechtmäßig gewählt sei 51 . Namentlichstand ihm mit dem Kardinale Julian della Rovere eine furcht-bare Waffe gegen den Borja zu Gebote 52 . War doch bekannt, daßJulian auf Absetzung des Papstes sann 53 , den er ebenso haßte, wiedieser ihn. Auch Kardinal Askanio trug sich mit einer neuen Papst-wahl und mit der Absicht, Alexander VI., seine eigene Kreatur, zuvernichten 54 . Nicht weniger war der Kardinal Peraud von Gurküber die Verbrechen des Papstes, besonders über seine schamlose