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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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164
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164 SAVONAROLA UND KARL VIII.

Fastenpredigten vom Jahre 1494 hatte er, die schon 1491 begon-nene Erklärung der Genesis fortsetzend, überDie ArcheN o e s 5 " gehandelt. Wiederum hatte er sein unheimlichescito,cito, cito" ausgerufen 6 , eine neue Sündflut hatte er angekündigt,Pest, Hunger und Krieg 7 . Wie aber einst Noe eine Arche zim-merte, um den wenigen Auserwählten Rettung vor den alles ver-schlingenden Wogen zu bringen, so hatte auch er eine geistigeArche errichtet, in der alle diejenigen Aufnahme finden sollten,welche im allgemeinen Verderben nicht untergehen, sondern auf-richtige Buße tun wollten 8 . So war er im Verlaufe seiner Vorträgemit der Erklärung der Genesis bis 6, 16 gekommen; hier hatte erzu Ostern abgebrochen. Am 21. September nun, am Feste desheiligen Apostels Matthäus, kehrte er auf die Kanzel zurück, umin seinen Genesispredigten da fortzufahren, wo er im Frühjahrestehengeblieben war 9 . Das war aber der Vers Gen. 6, 17:Ecceego adducam aquas diluvii super terram." Daß diese Schriftstelleebenjetzt traf, kam ihm stets wie eine Art Wunde r vor 10 ; undindem er sie nun seiner Predigt zugrunde legte, zeigte er in über-wältigenden Worten die abermalige Erfüllung dieses Ausspruchesin der Gegenwart auf und wies auf die neue Sündflut hin, wiedas französische Heer soeben auf italienischem Boden angelangtsei und sich nun einer alles verheerenden Sturmflut gleich derArnostadt nähere. Seine Worte schlugen wie ein Blitz in die Herzender Zuhörer ein. Einer von diesen, der Graf Johann Pico vonMirandola, gestand dem Prediger selbst, ein Schauder habe ihnergriffen, und die Haare seien ihm zu Berge gestanden 11 . Allesbrach in Tränen und Angstrufe aus und schlich wortlos und wiehalbtot vor Schrecken durch die Straßen der Stadt 12 . Niemalswar eine Bußpredigt auf so wohlbereiteten Boden gefallen. Dieausgelassenen Scherze und Spiele der leichtfertigen Tage Lorenzoswaren verstummt. Polizian, der aufgelegtesten einer an der frohenTafelrunde des Medici, siechte, von einem hitzigen Fieber verzehrt,dem Tode entgegen, der ihn am 24. September 1494 barmherzigvor dem traurigen Geschicke bewahrte, den Zusammenbruch desHauses seines erlauchten Gönners und den schmählichen SturzPeters, seines ehemaligen Zöglings, mit ansehen zu müssen. Demob seiner seltenen Begabung und Gelehrsamkeit willen noch bisvor kurzem allgemein bewunderten Humanisten folgten Schmachund Schande ins Grab, nicht so fast um seiner eigenen Verfeh-