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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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IX. Kapitel.SAVONAROLA UND KARL VIII.

Je weiter die französischen Truppen in Italien vordrangen, destofieberhafter war die Unruhe und Aufregung, die alle Gemüter er-griff. Phantastische Gerüchte über die Stärke der fremden Heereund die Art ihrer Ausrüstung durchschwirrten die Luft und ver-setzten die Bevölkerung von einem Ende der Halbinsel bis zumanderen in Furcht und Schrecken. Überall erzählte man sich vonunheimlichen Vorzeichen. In Apulien hatte man mitten in derNacht drei Sonnen am Himmel und schauriges Wetterleuchten,im Gebiete von Arezzo zahllose Bewaffnete, die auf gespenstischenPferden in der Luft dahinstürmten, gesehen. An vielen Ortenschwitzten die Heiligenbilder und Statuen, kamen menschlicheund tierische Mißgeburten zur Welt, und nur über das eine wun-derte man sich, daß nicht auch der Komet schon erschien, dernach dem Glauben der Alten der sicherste Vorbote des Umsturzesder Reiche sein sollte 1 . Der Mönch, der im Jahre 1494 die Fasten-predigten in Novara hielt, beteuerte, es stehe großes Unglück be-vor, er habe rings um die Mauern Spanier, Franzosen, Schweizer,Graubündner, Deutsche, Slawen, Albanesen, Griechen, Türken undzahllose andere Nationen vernommen 2 . Ganz besonderes Aufsehenerregte jedoch allenthalben eine Weissagung, die in einem alten,mit einer Bleidecke versehenen Buche zu lesen stand und die Über-schrift trug:C. J. D."; diese Buchstaben las man:Cito JudiciumDei 3 ". Die Prophezeiung wollte vom heiligen Erzbischofe Cataldvon Tarent stammen und nur vom Könige selbst und einem seinerVertrauten gelesen sein; sie gebot die Verfolgung der Glaubens-feinde, widrigenfalls das ganze Land von schwerstem Unheile be-troffen würde 4 .

Aber auch Savonarola ließ sich in diesen Tagen unbeschreib-licher Spannung, in denen er aller Augen erwartungsvoll auf sichgerichtet sah, aufs neue vernehmen. In seinen XLV, leider nurmehr in kümmerlichen lateinischen Bruchstücken erhaltenen11*