KARL VIII. IN ITALIEN 161
auch in den Fußstapfen seiner Väter, wenn er den französischenWerbungen kein Gehör lieh. So treu Cosimo und Lorenzo stetszu Frankreich standen, die Franjzosen ins Land zu rufen hieltensie stets für ein frevles Unterfangen, vor dem zuletzt noch Lo- 'renzo den Papst Innozenz VIII. eindringlich gewarnt hatte 81 . Mitdem Mohren hatte sich auch Lorenzo schon zerschlagen. Ob erden weiteren Verlauf der Dinge aufzuhalten vermocht hätte? „Erwar nicht der einzige Heilige, welcher des frühzeitigen Todes be-durfte, um in den Himmel versetzt zu werden 82 ."
Der zähe Widerspruch einer so ansehnlichen Macht, wie esFlorenz war, hätte den König und seine Räte in ihrem Kriegs-entschlusse erschüttern und zum Verzichte auf den Zug gegenNeapel bestimmen können. Da er aber, wie man eben aus Florenzselbst wußte, nicht das Werk der Menge der Bürger, sondern nurdes gegenwärtigen, auf schwachen Füßen stehenden Machthabersund seines Anhanges war, so setzte man sich über ihn unbedenk-lich hinweg. Schon im März 1494 hatte sich Karl VIII. mit seinemStabe nach Lyon begeben. Am 29. August nahm er zu GrenobleAbschied von seiner Gemahlin. Über den Montgenevre stieg er indie lombardische Ebene hinab. Am 3. September stand er zu Susabereits auf italienischem Boden, am 9. September hielt er seinenEinzug in Asti, vom Mohren erwartet und aufs wärmste begrüßt 8 '.Gleichwohl waren noch Ende September lebhafte Verhandlungenim Gange, um das ganze Unternehmen rückgängig zu machen 84 ,und es war ernstlich davon die Rede, der König sei im Begriffe,nach Frankreich zurückzukehren 85 . Aber die Nachricht bestätigtesich nicht. Der fremde Eroberer brach am 7. Oktober von Astiauf, um über Casale nach Piacenza zu ziehen. Hier wurde erdurch die Nachricht vom Tode des jungen Herzogs Johann Ga-leazzo von Mailand aufs schmerzlichste überrascht. Es war nureine Stimme, der unglückliche Fürst sei am Gifte seines Onkels,des Mohren, gestorben, zumal sich dieser sofort als Herzog hatteausrufen lassen, obschon sein Neffe nicht ohne Erben verschiedenwar 86 . Der König war über die Untat des Mohren empört undfürchtete, von diesem auch selbst verraten zu werden, da erglaubte, Ludwig habe die Franzosen nur zu dem Zwecke ins Landgelockt, um seine schwarzen Pläne im allgemeinen Aufruhr derDinge desto ungestörter ausführen zu können. So dachte er aufsneue daran, den Rückzug nach Frankreich anzutreten; ohnehin
11 Schnitzer, Savonarola