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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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r 6o KARL VIII. ZUG NACH ITALIEN

lern gewiß nicht nach 77 . Wenn er körperlichen Übungen und sinn-lichen Vergnügungen nachging, so hatte es sein Vater von Jugendan nicht besser getrieben, und viele Florentiner hatten allen Grund,statt seine ihre eigenen Untugenden zu beweinen. Seine Regierungwar in Wahrheit,so schlimm nicht, wie man sie anschwärzte 78 .Der Haß, der sich wider ihn breitmachte, galt nicht so fast ihm,als vielmehr seinem Hause, richtete sich namentlich auch gegenseinen Bruder, den Kardinal 79 , der an seiner Politik sicher nichtschuld war. Er war das traurige Erbe, das er von seinem Vaterund Urgroßvater überkam. Cosimo und Lorenzo hatten die Stadtbeherrscht, weil sie ihr mit der Kraft ihres Genies Achtung ein-geflößt hatten. Die Macht einer überlegenen Persönlichkeit, derhöchste Adelsbrief, den die Renaissance kannte, bildete die Grund-lage, auf dem ihr ungezimmerter Thron ruhte; sobald dieserZauber nicht mehr vorhanden war, brach die Herrlichkeit not-wendig zusammen. Cosimo, und in der Pazziverschwörung Lo-renzo, hatten sich ihrer Gewalt mit schonungsloser Härte bedient.Dadurch hatten sie zwar stumme Furcht und äußerliche Unter-werfung erzwungen, aber sie hatten Haß gesät und mußten Feind-schaft ernten. Mft Argusaugen spähten die Gegner nach jeder Ge-legenheit, das Joch der Medici zu zerschmettern und an ihnen zuhandeln, wie sie selbst einst gehandelt hatten. Da nun Peter amRuder war, schien die heiß ersehnte Stunde zu schlagen. MitWollust gewahrte man, daß er kein Cosimo und kein Lorenzo war.Das war sein Verderben. Einem Manne, der nur das Mittelmaßaufwies, gedachten sich Mitbürger nicht zu beugen, die ihn selbstweit zu überragen vermeinten. Aber vielleicht hätte Peter, selbstwenn er die seltene Staatskunst seines Vaters besessen hätte, dasfinstere Gewitter nicht mehr zu bannen vermocht, das sich ver-derbenschwanger über seinem Hause zusammenballte. Wohl priesman es als Lorenzos Verdienst, daß er das Zünglein an der Wagedes politischen Gleichgewichtes gebildet und Italien die Ruhe be-wahrt habe. Seither waren aber die Verhältnisse viel schwierigergeworden, wie Gentile Becchi, ein Mann langer Erfahrung undnoch aus der alten Schule, offen bekannte 80 . Gerade die orsinisch-aragonesische Politik, die man stets als Peters größten Fehlerbetrachtete, war schon von den Alten vorbereitet worden, die ihm«ine Orsini zur Mutter und wieder eine Orsini zur Frau gegebenund damit seine politische Bahn gewiesen hatten. Peter wandelte