SAVONAROLA UND PETER DE' MEDICI i5a.
Alle diese Dinge muß man sehr wohl im Auge behalten, wennman die Triebkräfte abschätzen will, die den Sturz Peter Medicis.1 £^.
herbeiführten. So viel ist jedenfalls klar — Savonarola ist am|^wenigsten für ihn verantwortlich zu machen 72 . Gewiß hätte er,* * ! -wenn er seine mächtige Stimme erhoben hätte,, diesen Sturz be-schleunigen und verschärfen können; aber Tatsache ist, daß ernicht gegen Peter auftrat. Seit dem Tode Lorenzos, eben in den oip, <*w «gefährlichen Zeiten, als die Wogen politischer Aufregung von Tag «^W,*,,zu Tag stiegen, war er mit der Abtrennung S. Marcos von derrLombardei aufs angelegentlichste beschäftigt. Eben hierbei aber ^Y"^*wurde er von Peter und seiner Regierung in einer Weise gefördert, fa ^ ^ {daß er unmöglich zur gleichen Zeit den Ast absägen konnte, aufdem er saß, wie sich anderseits auch Peter und seine Berater wohlniemals dazu verstanden hätten, sein Vorhaben zu unterstützen,wenn sie in ihm den Bundesgenossen, ja Anführer ihrer bitterstenGegner erblickt hätten. Die Zeitgenossen schreiben denn auchnicht etwa dem Ferraresen die Schuld am furchtbaren Falle Peterszu, sondern diesem selbst, seiner Unfähigkeit und Unbesonnenheit.Gewiß beging er viele und schwere Fehler. Er überließ sich ge-schlechtlichen Ausschweifungen 73 und stieß mit seinem hoch-fahrenden Wesen viele ab. Aufs tiefste verletzte es den Stolz dervornehmen Geschlechter, daß er die Leitung der wichtigsten Staats-geschäfte seinem Kanzler Bibiena überließ, einem Manne nied-riger Herkunft, der nicht einmal florentinischer Bürger war, son-dern dem unterworfenen Landgebiete entstammte; daß sie hintereinem „Untertanen" zurückstehen sollten, war den Patriziern einunerträglicher Gedanke 74 . Galt ihnen Peter als Sohn einer orsini-schen Mutter, als Gatte einer orsinischen Frau doch selbst schonals ein Halb fremder; manche seiner Charakterfehler, besonderssein herrisches, hochmütiges Wesen, wurden auf Rechnung seinesorsinischen Blutes gesetzt 75 . Indem er sich nun den Orsini, denSöldlingen der verhaßten Aragonesen, rückhaltlos in die Armewarf, schien er mit den heiligsten Überlieferungen der Stadt wieseines eigenen Hauses törichter- und frevelhafterweise zu brechenund das Vaterland der größten Gefahr, wenn nicht dem Unter-gange preiszugeben. So berechtigt aber auch die Beschwerdenüber ihn selbst und seine Politik sein mochten, der wahre. Grunddes allgemeinen Hasses lag doch viel tiefer 76 . Obschon als unfähigbezeichnet, stand er an geistiger Fähigkeit seinen lautesten Tad-