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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
155
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DIE POLITIK PETER DE' MEDICIS i55

Nach dem Tode Lorenzos blieb zunächst alles beim alten. Ein-gedenk der Vorteile, die sein Haus ehemals aus der Verbrüderungmit den Medici geschöpft hatte, gab der Mohr sofort seine Bereit-willigkeit zur Fortsetzung der alten Freundschaft zu erkennen undließ nichts unversucht, Peter für sich zu gewinnen. Aber das guteEinvernehmen währte nur kurze Zeit. Als es sich nach der Thron-besteigung Alexanders VI. darum handelte, diesem die Huldigungder italienischen Mächte darzubringen, schlug der Mohr vor, Mai-land, Neapel und Florenz sollten zum Zeichen ihres engeren Bünd-nisses nicht einzeln für sich, sondern gemeinsam in Rom ihre Auf-wartung machen. Peter setzte es jedoch mit Hilfe des KönigsFerrante durch, daß er dem Papste an der Spitze einer eigenenflorentinischen Gesandtschaft huldigen konnte, und erregte hier-durch wie durch den unerhörten Aufwand, den er bei dieser Ge-legenheit entfaltete, den Argwohn des Mohren, der sich in demVerdachte, daß ein näheres Verhältnis zwischen Peter und Fer-rante obwalte, noch durch die Rolle bestärkt fühlte, die der Medicibeim Verkaufe der römischen Kastelle durch seinen SchwagerFranceschetto Cybo an seinen Verwandten Virginio Orsini spielte* 8 .Fortan sah er in dem Sohne Lorenzos den versteckten und dahererst recht gefährlichen Gegner, durch den die ihm von Neapeldrohende Gefahr nur noch bedenklicher wurde, und unterließnichts, um am französischen Hofe den Sturz Peters ebenso wie denFerrantes zu betreiben 49 .

Und die innere florentinische Lage erleichterte ihm diese feind-selige Haltung auf jede Weise. Die angesehensten Männer derStadt und treuesten Freunde Lorenzos hatten sich nach dessenHingang einverstanden erklärt, daß die Herrschaft auf Peter über-gehe, nur hatten ihm Bernhard Rucellai und Paulanton Soderini,ihm beide nahe verwandt 50 , den wohlmeinenden Rat erteilt, imGebrauche seiner Macht maßvoller und vorsichtiger zu sein alseinst sein Vater, dem das Hervorkehren tyrannischen Wesens sosehr verübelt worden sei. Peter Bibiena jedoch, der Kanzler, derdieses Amt schon unter Lorenzo bekleidet und in allen politischenDingen als seine rechte Hand gegolten hatte, sowie Franz Valori,ebenfalls ein alter Freund des mediceischen Hauses, brandmark-ten solche Ratschläge als verderblich und flößten dem jungenHerrscher ein Mißtrauen ein, das sich bald genug auf fast alle dieMänner ausdehnte, die einst Lorenzos Stütze gewesen waren. Nur