x54 KARL VIII. ZUG NACH ITALIEN
grabung des florentinischen Handels, so auf den Sturz des medi-ceischen Hauses abgesehen hatte. Da nun nicht minder die Sforzain ihrer Herrschaft über Mailand von Venedig beständig aufsschwerste bedroht waren, so erschienen die Medici und die Sforzaals die natürlichen Bundesgenossen. In Cosimos Bahnen wandeltesein Sohn Peter, und Lorenzo setzte die Politik seines Vaters undGroßvaters fort. Wie die Freundschaft mit Frankreich, so leisteteihm namentlich das Bündnis mit Mailand die wichtigsten Dienste;ohne den Herzog Galeazzo hätte er sich überhaupt nicht zu be-haupten vermocht. Auch zum Mohren unterhielt er die bestenBeziehungen. Aber er war ein zu geriebener Politiker, alles aufeine Karte zu setzen und nicht zu merken, daß der Mohr Wegeeinschlug, die sich mit dem Wohle der Medici nicht immer ver-trugen. Seitdem er sich dann in den Nöten der Pazziverschwörunggezwungen gesehen hatte*, Deckung bei den Aragonesen in Neapelzu suchen, gewahrte er eine immer stärkere Abkehr des Mohrenvon seinem Hause. Es war ganz natürlich, daß sich Lorenzo, jeweniger er dem Mohren traute, um so mehr zu Neapel und zu denmit diesen aufs engste verbundenen Orsini hielt, und nicht wenigernatürlich war es, daß der Mohr immer argwöhnischer gegen dieMedici wurde. Nicht als ob es zum offenen Bruche zwischen Lo-renzo und dem Mohren gekommen wäre. Äußerlich blieb allesbeim alten. Beide Herrscher überboten sich in Beteuerungen un-wandelbarer Treue und Freundschaft. Aber keiner traute demanderen, und jeder Krieg wie jeder Friedensschluß zeigte aufsneue, daß das Werk der Väter nur mehr zum Scheine bestandund bei der nächsten Gelegenheit auch äußerlich in die Brüchegehen konnte 46 . Mit der Zeit entwickelte sich sogar eine kaummehr verhehlte Abneigung zwischen ihnen, zumal es dem Mohrennicht unbekannt blieb, daß Lorenzo dieselben heißen Freund-schaftsschwüre, die er amtlich mit ihm wechselte, insgeheim auchmit den Aragonesen austauschte, wie umgekehrt in Florenz be-kannt wurde, daß der Mohr das Ansehen Lorenzos in Rom wiein Neapel zu untergraben trachtete 47 . Zugleich war aber auch klar,daß die Medici, je mehr sie sich an Neapel anlehnten, desto mehrin ein schiefes Verhältnis zu Frankreich in dem Augenblicke ge-raten mußten, da sich einerseits die französisch-aragonesischenGegensätze verschärften, anderseits die mailändisch-französischenBeziehungen enger und stärker wurden.