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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
153
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FLORENZ EINE FRANZÖSISCHE STADT 163

ein Jahr später dem Kardinal Askanio, er werde sich, falls dieFranzosen wirklich kämen; schon rechtzeitig aus der Schlingezu ziehen wissen 41 . Nur eine Macht war noch, die für den ita-lienischen Zug von größter Bedeutung, aber immer noch unge-klärt, ja verdächtig war, und auf die man doch am sicherstenrechnen zu dürfen gemeint hatte Florenz und sein Herr, PeterMedici.

Das Bündnis mit Frankreich war ein altes Erbstück der floren-tinischen Politik im allgemeinen und der mediceischen im beson-deren. Als französische Stadt fühlte sich Florenz schon aus demGrunde, weil unvordenklicher heimischer Überlieferung gemäßKarl der Große die seit Zerstörung durch Totila und die Hunnenin Trümmern liegende Arnostadt aus dem Schutte wieder aufge-richtet und mit Schenkungen und Vorrechten freigebig bedachthatte 12 ; in ihm, Frankreichs, nicht des Frankenreichs mächtigemKönige, verehrte man in Florenz seinen zweiten Stifter und größtenWohltäter. Und davon ganz abgesehen, erhob sich die floren-tinische Vorliebe für Frankreich auf dem gediegensten Unterbau,den es für eine florentinische Freundschaft überhaupt gebenkonnte, auf dem einträglichsten Geldgewinne. Schon seit demzwölften Jahrhundert betrieben Florentiner einen schwunghaftenHandel in Wollen- und bald auch in Seidenwaren mit Frank-reich 43 . In allen französischen Städten saßen florentinische Kauf-leute und Geldwechsler, die unter dem Schutze der französischenGesetze und Könige die besten Geschäfte machten. Die Mediciselbst unterhielten zu Lyon eine der blühendsten Filialen ihrerWeltbank. Die florentinische Republik erkannte denn auch ihreAbhängigkeit von ihren französischen Brotherren in dem Eid-schwure an, den die Behörden bei ihrem Amtsantritte ablegten.Zugleich mit ihrer Ergebenheit gegen die Kirche und die weifischePartei gelobten die neuen Signoren ihre Mitwirkung zur Erhöhungder Macht und des Ruhmes der französischen Könige 44 . Der klugeCosimo war stets für Pflege der französischen Freundschaft. DieFreundschaft mit Frankreich und ein enges Bündnis mit denSforza von Mailand, das waren die Grundpfeiler, auf welche er,soweit die äußere Politik in Frage kam, die Macht seines Hausesbegründete 45 . Denn daß er auch an einer starken italienischenMacht einen Rückhalt besitzen müsse, war ihm klar. Längst warer durch die Erfahrung belehrt, daß es Venedig wie auf Unter-