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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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DER LOCKRUF DES PAPSTES i5i

zweifelte, die Italiener aus eigener Kraft zu besiegen, warum sollteman die Italiener nicht mit Hilfe der Italiener selbst bezwingenkönnen? Am französischen Hofe hielten sich neapolitanischeFlüchtlinge auf, an ihrer Spitze der Fürst Bernhardin von Bisig-nano, der Freund des heiligen Franz von Paula, und Antonellovon Sanseverino, Fürst von Salerno, die, der wilden RachsuchtKönig Ferrantes im Baronenkriege entronnen, unaufhörlich zumKriege trieben und von der Anhänglichkeit der alten Freunde desHauses Anjou in Unteritalien Wunderdinge erzählten 31 . Zudemwar gerade von den wichtigsten italienischen Staaten eher Unter-stützung oder doch Neutralität als offene Feindseligkeit zu ge-wärtigen. Mailands war man von vornherein sicher. Venedig er-klärte, mit Rücksicht auf die drohende. Türkengefahr neutralbleiben zu wollen 32 . Herzog Herkules von Ferrara, des MohrenSchwiegervater, war durchaus für die Franzosen, von denen erdie Wiedergewinnung eines ihm von Venedig entrissenen Land-gebietes erwartete. Papst Alexander VI. aber verdankte seine Wahlhauptsächlich dem Kardinale Askanio, dem Bruder des Mohren,und segelte in den ersten Zeiten seines Pontifikats vollständig impolitischen Fahrwasser der Sforza 33 . Ein unübertroffener Meisterdes politischen Ränkespiels, vollständig gewissen- und skrupellos,vom ersten Tage seiner Regierung an einzig und allein darauf be-dacht, die reichen Hilfsmittel, die ihm der Heilige Stuhl zur Ver-fügung stellte, zur Versorgung seiner Kinderschar auszunützen 34 ,war er stets auf der Seite zu finden, auf welcher ihm die größtenVorteile winkten. Solche schienen ihm aber in der Reihe der Sforzaund ihrer Freunde in Aussicht zu stehen. Der Kardinal Askanioerfreute sein väterliches Herz, indem er die Papsttochter Lukreziamit Johann Sforza, dem Herrn von Pesaro, vermählte; und auchsonst ließen er und der Mohr kein Mittel unversucht, um denPapst an ihr Haus zu fesseln. Dagegen stand dieser eben jetzt mitden Aragonesen auf gespanntestem Fuße. Denn diese unterstütz-ten die Orsini im Erwerbe der für den Kirchenstaat wichtigenGrafschaften Cerretri und Anguillare, wozu auch Peter Mediciseine Mitwirkung lieh. Im Besitze der Orsini und ihrer arago-nesisch-mediceisch Verbündeten bedeuteten aber diese Gebieteeine ständige unmittelbare Bedrohung des Papstes und einenscharfen Stachel im Fleische des Kirchenstaates 35 . Daher lag auchdem Papste daran, sich die Aragonesen und ihre Sippe vom Leibe