EROBERUNGSPLÄNE DES KÖNIGS 149
Der Lockruf des Mohren klang wie süße Musik in den Ohrendes Königs. Mit zäher Beharrlichkeit hielt Karl VIII. fortan anseinem Vorhaben fest, dem entschiedenen Widerspruche und denschweren Bedenken zum Trotze, die nicht bloß seine nächstenAnverwandten, sondern auch bewährte Batgeber, ja das ganzeLand hiergegen erhoben. In der Tat war nicht zu verkennen— wenn die französische Krone doch schon mit dem stolzen Planeiner christlichen Universalmonarchie umging, so mußte sie nachder Herrschaft über Italien trachten. Eine schönere Gelegenheitdazu, sie an sich zu reißen, bot sich aber nicht so leicht wieder,wie eben jetzt, da Italien selbst, von innerer Zwietracht zerfressen,die französischen Waffen zu Hilfe rief. Das neapolitanische Unter-nehmen erschien insofern nicht bloß als politisch gerecht-fertigt, es stellte sich geradezu als unabweisbares nationales Be-dürfnis dar 20 . Überdies war in Frankreich die Stimmung widerdie Italiener längst sehr gereizt. Diese wurden um ihrer glück-lichen Handelsgeschäfte willen, durch die sie das französischeGeld nach Italien leiteten, allgemein beneidet. Sie wurden ange-feindet, weil sie auf den Lyoner Märkten ihre Waren mit großemGewinne absetzten und überdies noch an ihren fremden Münzenverdienten. Der Haß des französischen Volkes richtete sich aberbesonders gegen die römische Kurie, die Jahr für Jahr ungeheureSummen aus dem Lande zog 21 , worüber in den Sitzungen derGeneralstaaten zu Tours, 1484, bittere Klage geführt wurde 22 . Undder allgemein verbreitete Ruf von den fabelhaften Beichtümernund Schätzen aller Art, die sich in den italienischen Hauptstädten,besonders in Bom und Neapel, nun schon seit so vielen Jahr-hunderten angehäuft hatten, war ganz dazu angetan, die Habgierbeutesüchtiger Abenteurer anzulocken, die nichts zu verlieren undalles zu gewinnen hatten. Auch die beiden Männer, die das vollsteVertrauen des Königs besaßen und den alles entscheidenden Ein-fluß auf ihn ausübten, Stephan von Vesc und Wilhelm Brissonet,versprachen sich vom italienischen Zug reichen persönlichen Ge-winn. Stephan von Vesc 23 , ehemals Kammerdiener Ludwigs XI.und von diesem zur Pflege des kleinen Kronprinzen bestellt, warder Behüter der Kindheit des jungen Königs gewesen, unter demdieser viel mehr als unter seinem eigenen Vater aufgewachsenwar. Mit der Thronbesteigung seines Pfleglings war er dann auchselbst von Würde zu Würde gestiegen und 1491 Seneschal von