t48 KARL VIII. ZUG NACH ITALIEN
Überzeugung von ihrer Rechtmäßigkeit bestärkt worden. Hatteihm doch auch Papst Sixtus IV. seine Unterstützung zugesagt,und Venedig hatte 1484 erklärt, Neapel gehöre ebenso von Rechtswegen zu Frankreich wie Mailand dem Herzoge von Orleans 15 .Den Ausschlag gab aber die dringende Einladung Ludwigs desMohren von Mailand 16 . Bruder des 1476 .ob seiner scheußlichenGreueltaten dem Dolche der Verschwörer erlegenen Herzogs Ga-leazzo, führte er an Stelle Johann Galeazzos, des minderjährigenSohnes des Ermordeten, als Statthalter die Regierung. Ein durchund durch verschlagener, herrsch- und ränkesüchtiger Fürst, hielter seinen Neffen zu Pavia gefangen und von allen Regierungs-geschäften wie von jedem Einflüsse darauf selbst dann noch voll-ständig fern, als dieser längst seine Volljährigkeit und in seinerGattin Isabella, einer Tochter des neapolitanischen ThronfolgersAlfons und Enkelin des Königs Ferrante, eine Beraterin gewonnenhatte, an deren Seite er das Zepter über seine Untertanen sehrwohl auch ohne die Bevormundung seines Onkels hätte führenkönnen. Empört über die ihrem Gatten wie ihr selbst zugefügtenKränkungen ließ Isabella, ein mannhaftes, stolzes Weib, nichtsunversucht, ihren Vater und Großvater zum Einschreiten widerdie Anmaßung des Mohren zu bewegen 17 . Der Mohr aber dachtegar nicht daran, das Heft aus der Hand zu geben. Sein einzigerGedanke war vielmehr darauf gerichtet, zur Bürde nun auch nochdie Würde des Herzogtums zu erlangen, mochte der Weg über dieLeiche seines Neffen, über den Ruin der Freiheit und Selbständig-keit der italienischen Staaten führen. Von der durch Isabellasflammende Klagen veranlaßten Aufforderung Alfonsens, der Re-gierung zugunsten seines Neffen zu entsagen 18 , ins Herz getroffen,sann er auf Mittel, die ihm von den Aragonesen drohende ernsteGefahr ein für allemal abzuwenden, und keines schien ihm sosichere Hilfe zu versprechen, als der schon so oft angeregte Zugdes französischen Königs zur Vertreibung der Aragonesen. Somahnte er diesen in einem Schreiben vom 24. September 1492eindringlich, die Rechte seines Hauses auf den Thron von Neapelmit bewaffneter Hand zu verteidigen 19 , und unterließ es nicht,sein Gesuch durch wiederholte Gesandtschaften, reichliche Ge-schenke für den Hof und die einflußreichsten königlichen Räteund noch reichlichere Versprechungen nachdrücklich zu unter-stützen.