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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
147
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FRANZÖSISCHE PROPHETIEN 147

Kaiser als die Verkörperung gottfeindlicher Mächte und Kirchen-verfolger hingestellt wurden. In dem Ansprüche auf die Nachfol-gerschaft Kaiser Karls verbargen sich die ausschweifenden Welt-herschaftspläne des französischen Königtums, in deren Dienstenauch die volkstümliche Weissagung gezogen wurde und Teles-phorus seine französische Färbung erhielt. Eben jetzt, als sichKarl VIII. mit seinen großartigen Plänen trug, ließ Meister Guil-loche von Bordeaux eine Schrift:Die Prophetie vonKarl VIII." erscheinen 11 , worin er weissagte, der König werde im24. Jahre seines Alters ( 1494) Neapel erobern, im 33. ganz Ita-lien unterwerfen, sodann über das griechische Reich triumphierenund die Universalmonarchie über die ganze Welt an sich reißen.Johann Michel, des Königs Leibarzt, veröffentlichte eine Schriftmit dem Titel:Gesicht, geoffenbart dem demütigsten Prophe-ten Johann Michel, vom Siege des christlichen fran-zösischen Königs Karl VIII., von der neuen Re-form der Welt und von der Z u r ü c k e r o b e r u n gJerusalems, die ihm bestimmt ist." Hier ward der König ineinem langen Gewebe verschiedener, meist den alttestamentlichenPropheten entlehnter Schriftstellen ermahnt, die heilige Stadt ausden Händen der Ungläubigen zu befreien, worauf er der Gebieteraller Könige und der Reformator der ganzen Welt sein werde 12 .Unter dem Einflüsse solcher Schriften rühmte sich Karl VIII., inseinen kühnsten Träumen geschmeichelt, in ihm würden sich dieProphetien erfüllen, denn er sei es, der Spanien, Deutschland undItalien unterwerfe, um dann von Griechenland, Asien, Syrien undÄgypten wie ein Gott angebetet zu werden. Nachdem er Jerusa-lem erobert, seine Krone auf Golgatha niedergelegt und dem GrabeChristi seine Ehrfurcht bezeigt, werde er triumphierend genHimmel fahren 13 .

Von solchen Ideen und Plänen berauscht, betrachtete Karl VIILdie Ansprüche seines Hauses auf den neapolitanischen Königs-thron im Lichte einer sich in ihnen aussprechenden göttlichenSendung. Allerdings wurzelten diese Ansprüche lediglich in derEroberung Neapels durch Karl von Anjou, den Bruder Ludwigsdes Heiligen, und waren in Wirklichkeit so hinfällig wie mög-lich 14 . Aber wie durch verschiedene Rechtsgutachten, so war derjunge Monarch gerade durch die wiederholten Einladungen deritalienischen Mächte zur Verwirklichung seiner Forderung in der

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