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146 KARL VIII. ZUG NACH ITALIEN
ihm, und „einige Eremiten" bestärkten ihn auf jede Weise inseinem Vorhaben 7 . Doch nicht nur um die Eroberung eines welt-lichen Königreiches, sondern um viel höhere Dinge handelte essich für den jungen Herrscher. Schon im Jahre 1488 war er imAuftrage Innozenz' VIII. von dessen Legaten, dem Bischöfe Lio-nello Chieregato von Trau 8 , in eindringlicher Weise auf die furcht-bare Gefahr aufmerksam gemacht worden, die nicht nur demHeiligen Stuhle und der italienischen Halbinsel, sondern demganzen Abendlande von den Türken drohte. Fortan war sein Ent-schluß gefaßt: der Ehre Gottes und des heiligen Glaubens wollteer dienen, die Türken bezwingen und das Heilige Land gewinnen,einen neuen Kreuzzug unternehmen; nur um des neapolitanischenReiches willen, erklärten seine Getreuen, würde er keinen Fußregen". Zu solchen Großtaten wähnte er aber als französi-scher König berufen zu sein, als Sproß und Erbe des fränkischenKaisers Karl des Großen, der eben als solcher Träger und Inhaberdes gewaltigen, den Osten wie den Westen umspannenden römi-schen Reiches, infolgedessen der geborene Schirmherr der Kirchegegen alle äußeren und inneren Feinde und der gottbestellte Re-formator der Christenheit war. Im unerschütterlichen Vertrauenauf das Erlöserwerk eines großen Kaisers der Zukunft, des Brin-gers einer schöneren, glücklicheren Zeit, war sich das ganze Mittel-alter einig. Wie schon im achten Jahrhundert in der Schrift desangeblichen Methodius vom gewaltigen Kampfe eines römischenKaisers wider die Ungläubigen die Rede war, worauf dieser zu-letzt auf Golgatha dem Herrn des Himmels und der Erde seineKrone übergeben werde, so kündete noch Ende des vierzehntenJahrhunderts der unteritalienische Einsiedler Telesphorus in einemWeissagungsbüchlein, das sofort weiteste Verbreitung erlangte,das Erscheinen eines neuen Kaisers Karl an, der die gottfeindlichenMächte besiegen, das Heilige Land endgültig den Ungläubigenentreißen und im Vereine mit dem Engelspapste der Zukunft dieReform der am Gifte der konstantinischen Schenkung und desweltlichen Besitzes auf den Tod siechen Kirche herbeiführenwerde 10 - Seit den Tagen eines Karl von Anjou und, Philipp desSchönen war es nun aber die zäh verteidigte und planmäßig ver-breitete Auffassung des französischen Hofes, daß nur die fran-zösischen Könige die rechtmäßigen Nachfolger und Erben desFrankenkönigs Karl des Großen seien, während die deutschen