^o DIE KONGREGATION VON S. MARCO
kommenheit zu bilden, daß sie alle anderen Orden übertreffen undnicht bloß Angehörige aller Mönchsregeln, sondern auch geistvolleund angesehene Laien anziehen würden 103 . Er machte ihnen voneinem Gesichte Mitteilung, in dem er die heiligen Augustin, Tho-mas von Aquin und Katharina von Siena geschaut und die Offen-barung empfangen hatte, von den achtundzwanzig in S. Marcoverstorbenen Brüdern seien fünfundzwanzig verdammt, einer insFegfeuer gewandert und nur zwei in den Himmel gekommen, undzwar seien die einen ob ihrer zu großen Anhänglichkeit an dieDinge der Welt, die anderen ob ihrer übertriebenen Liebe zu ihrenAnverwandten verworfen worden; von den Konventualen aber er-lange unter hundert nicht einer das Heil. Kaum hatte dies BruderAlexander Rinuccini vernommen, als er in heiligem Eifer unver-weilt zu den Konventualen von S. Maria Novella eilte und sie vomGesichte seines Priors mit der Mahnung in Kenntnis setzte, siemöchten auf ihr Heil bedacht sein. Die Brüder von S. Marco aberlegten, von der Eröffnung ihres Vorgesetzten erschüttert, diesemden überflüssigen Tand zu Füßen, den sie noch immer besessenhatten; der Verkauf ergab eine Einnahme von 300 Scudi, die unterdie Armen verteilt wurden 104 . Gleichwohl wollten die bösen Geister,welche die Brüder erschreckten und in Gestalt von Negern durchSchläge mißhandelten, ja sogar unehrbare und schmutzige Redenausstießen, noch immer nicht weichen. Vergebens durchwandelteder Prior Nacht für Nacht alle Räume 105 des Klosters, umsonst be-sprengte er die Zellen der Brüder mit Weihwasser 106 : die unheim-lichsten Gespenster, die im Kloster spukten und dem Oberen ammeisten zu schaffen machten, waren die Dämonen der Eigenliebeund Weltsucht, die sich mit Weihwasser nicht bannen ließen. Wiein S. Marco, so sündigten in Fiesole manche aus Unwissenheit undGebrechlichkeit, manche aber aus Bosheit. Es gab Brüder, dieihrem Vorgesetzten ins Angesicht widerstanden und offen er-klärten: „Ich glaube dir nicht." Die Widerspenstigen kehrten derKongregation zum Teile den Rücken, von Savonarola darob miteinem schlimmen Ende bedroht 107 . Als der heftigste Gegner derTrennung entpuppte sich Franz Mei aus Florenz, genannt Cleri-chino 107 , Prior von S. Dominikus zu Gemignano; er war es wohlauch, der die von der Signorie ebenfalls beabsichtigte Ablösungdieses Klosters von den Lombarden zu hintertreiben verstand 108 .Mei hatte am 20. November 1478 das feierliche Gelübde in