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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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, 3 8 DIE KONGREGATION VON S. MARCO

die Brüder ihre Lebensnotdurft durch Sammlungen von' Haus zu Haus, von den Gläubigen, eben weil diese wußten,wie gut ihre Spenden angewandt waren, so freigebig beschenkt,daß sich dies Schwindler zunutze machten und sich für Mönchevon S. Marco ausgaben 92 . Antonin hatte 1455 die von ihm mitUnterstützung Cosimo Medicis an Calixt III. gerichtete Bitte umdie Erlaubnis zum Erwerbe fester Besitzungen und jährlicher Ein-künfte mit der Erklärung begründet, die Brüder seien nicht mehrimstande, von frommen Gaben allein zu leben, da die Gläubigenmit Rücksicht auf ihre durch Kriege bewirkte Not und ihren zugroßen Aufwand im Almosengeben lässig seien 93 . Nun aber, zurZeit Savonarolas, lebten die Bürger in viel schwierigeren Verhält-nissen, überdies hatte sich die Zahl der Brüder mehr als verdoppelt, ja verdreifacht; gleichwohl flössen dem Kloster so reich-liche Almosen zu, daß sogar Überschüsse vorhanden waren, dieunter die Armen verteilt wurden 94 der handgreifliche Beweis,daß Antonins Gründe hinfällig waren, daß vielmehr eben der Hin-blick auf die Versorgung des Klosters mit eigenen Gütern durchCosimo die Freigebigkeit der Gläubigen lähmte. Häufig erhieltSavonarola beträchtliche Geldsummen, die er an die Brüderschaftvon S. Martin für verschämte Stadtarme weitergab, während erdas Geld der ins Kloster eingetretenen Reichen zum Baue desgroßen Saales im Signorenpalaste verwendete 93 . Auch fremde, alsGäste anwesende Brüder hatten an allen Wohltaten des KlostersAnteil. Unter deutlicher Anspielung auf das gemeinsame Lebender Urkirche von Jerusalem pflegte er zu sagen:Sind wir dennnicht ein Herz und eine Seele? Warum haben wir denn nichtalles gemeinsam? 98 "

. Man kann, ein Blick in die Geschichte der Orden undihrer Erneuerer lehrt es, kein Kloster reformieren, ohne sichden unversöhnlichen Haß Unzufriedener zuzuziehen 97 , einen Haß,der um so gefährlichere Formen annimmt, je mehr er einer-seits im Verborgenen schleicht, und je zerrütteter anderseitsder Orden selbst ist, um dessen Heilung es sich handelt.Auch die Predigerbrüder zählten unter ihren Heiligen Männer,die aus keinem anderen Grunde zu Märtyrern geworden waren,als weil sie für die Ordenszucht eingetreten waren 98 , und dem Er-neuerer S. Marcos sollten die traurigsten Erfahrungen nicht er-spart bleiben. Zu seiner peinlichsten Überraschung stellte sich

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