LOB S. MARCOS 137
demeinigeBrüderSondereigentumbesaßenunddie Vorschriften des heiligen Dominikus über-trat e n , so erlangte er vom Papste Alexander die Vollmacht, demgewöhnlichen Oberen nicht unterstellt zu sein, sondern mit seinenJüngern einen eigenen Verband zu bilden und nach der strengenRegel zu leben. So gründete er mit zwanzig oder fünfundzwanzigjungen Brüdern in der Regel S. Marcos hier einen neuen oder viel-mehr strengeren Orden, was er ob der ihm bereiteten vielenSchwierigkeiten nur mit Mühe durchzusetzen vermochte." Imselben Sinne äußerte sich ein anderer Zeitgenosse 88 , der ebenfallsgute Beziehungen zu S. Marco hatte. „So trennten sie sich", schrieber, „in Lebensführung, Sitte und Kleidung, nicht als hätten sie einGewand von anderer Farbe getragen, wohl aber trugen sie es enger,einfacher und kürzer. Sie führten ein strenges Leben, aßen nurzweLEier einer und befleißigten sich eifriger des Stillschweigens,/der Studien und des Gehorsams. Zu ihrem Oberen aber erkorensie den erwähnten Bruder Hieronymus, der nun nach Kräften dar-auf bedacht war, in den Studien, in der Lebensführung und in denSitten einen fast göttlichen Orden einzuführen." „Es herrschte",so versicherte derselbe Gewährsmann 89 , „nur eine Stimme darüber,seit zwei Jahrhunderten habe es, die Minoriten nicht ausgenom-men, keinen Verband von Ordensleuten gegeben, die so ehrbar,so gewissenhaft nach ihrer Regel lebten und der Urkirche so nahekamen, wie diese Observanten des heiligen Dominikus, die inunseren Tagen wahre Apostel sind." „Auf daß die Väter der Lom-bardei", hieß es sogar in einer Schmähschrift 00 , „seinen Plänennicht steuerten, trennte er die Kongregation von S. Marco vonihnen und verpflichtete sie zu einem strengeren Leben und zueinem gröberen Gewände, auf daß man seine Absichten nichtmerke. Gelehrte aller Fächer zog er an sich, Jünglinge vornehm-ster Abkunft verließen Reichtümer und Welt und widmeten sichunter seiner Führung dem Dienste des Herrn, dem sie in solcherEintracht obliegen, daß man sie viel mehr für Engel, denn für einemenschliche Genossenschaft halten möchte."
Savonarola hatte nach Empfang des Trennungsbreves dienötigen Reformen sofort ins Werk gesetzt und namentlichvon der ihm erteilten Befugnis Gebrauch gemacht, dieliegenden Güter zu verkaufen 81 . Bettelmönche nicht bloßdem Namen nach, sondern in Wirklichkeit, erwarben sich