Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
132
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I3 2 DIE KONGREGATION VON S. MARCO

Trennungsangelegenheit erwiesen habe 58 , und beschwor ihn, ihrseine mächtige Unterstützung nun auch zur Abtrennung der Klö-ster St. Dominikus von Fiesole und St. Katharina von Pisa zuleihen. Sobald nämlich die Brüder von Fiesole erkannt hatten,daß die Trennung allen, die dem Herrn in treuer Erfüllung derRegel unter Verzicht auf jedes nicht bloß persönliche, sondern auchgemeinsame Eigentum dienen wollten, zu großem Nutzen undVorteile gereiche und eine strengere Lebensweise, eine genauereBeobachtung des Stillschweigens und eine vollere Hingabe an dasStudium der Heiligen Schrift ermögliche, so setzten sie alle Hebelin Bewegung, um wie S. Marco ebenfalls von der Lombardei be-freit zu werden, und ordneten zu diesem Behufe ihren Prior FranzSalviati nach Rom ab 59 . Auch diese Bemühungen wurden von denflorentinischen Behörden und Gesandten aufs nachdrücklichsteunterstützt 00 und führten nach Überwindung zahlloser Schwierig-keiten 61 schließlich ebenfalls ans gewünschte Ziel (August 1494).Mit sehr gemischten Gefühlen wurde die Nachricht, daß dem Bei-spiele S. Marcos auch andere Klöster folgen sollten, im Katharinen-/kloster in Pisa aufgenommen. Schon zu Beginn des 15. Jahr-, hunderts hatten sich zwar auch hier Bestrebungen geregt, die Observanz zu Ehren zu bringen. Allein der damalige Prior LudwigMancini, ein habsüchtiger Mensch, der bei seinem Tode ein statt-liches Eigenvermögen hinterließ, setzte ihr entschiedenen Wider-stand entgegen 62 . So nahm denn die Verkommenheit, die sich imOrden überall breit machte, auch hier zu, wenn auch den schlimm-sten Übelständen durch die von Lorenzo de' Medici bewirkte Ein-gliederung des Klosters in die lombardische Observantenkongre-gation gesteuert wurde 03 . Leider geriet jedoch die Observanz selbstbald in Verfall 04 . Vergeblich suchte Savonarola, der im Jahre 1491in der Ordenskirche zu Pisa predigte 05 , das Feuer seiner Begeiste-rung für die Reform auch in den Herzen der Brüder von St. Katha-rina zu entzünden. Stephan von Codiponte, ein junger Mann vonder ligurischen Küste, der an der Universität Pisa die Rechte stu-diert und im April 1491 das Noviziat in St. Katharina begonnenhatte, fand sich vom Geiste, der das Kloster beseelte, so wenig er-baut, daß er auszutreten beschloß und seine Laienkleider zurück-verlangte. Durch Savonarolas Predigt umgestimmt, ließ er sichzwar zum Bleiben bewegen, bereute dies aber bald wieder, da ersich überzeugte, daß in St. Katharina nach der Heimkehr des