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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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DER STREIT UM S. MARCO 129

jener Zeit ganz von selbst, daß Geistliche und Ordensleute denZwecken ihres Vaterlandes auch in der Fremde dienten. So mel-deten die venezianischen Kardinäle die Verhandlungen selbst dergeheimen päpstlichen Konsistorien nach Hause 35 . Kardinal Grimaniließ 1500 in der Nähe von Rom die Schreiben des Kardinals AscanioSforza an seinen Bruder Ludwig den Mohren abfangen undschickte sie nach Venedig. Der Venetianer Peter Delphin, Generalder Kamaldulenser, bekleidete zu Florenz, wo er sich im KlosterZu den Engeln" seines Ordens häufig aufhielt, geradezu die Rolleeines venetianischen Gesandten oder, wenn man lieber will,Spions 38 . Auch der aus Venedig gebürtige DominikanergeneralJoachim Turriano stand in Florenz im Verdachte, politischer Spionder Venetianer zu sein 37 . Ebenso war der Minorit Dominikus vonPonzo, der zur Zeit des Endes Lorenzos und der Anfänge PeterMedicis die Fastenpredigten in Florenz hielt, als politisches Werk-zeug einer auswärtigen Macht tätig, Ludwig des Mohren, zu demer die engsten Beziehungen unterhielt; er wurde daher der Stadtverwiesen, unterwegs aber in Serezzana vom florentinischen Ka-pitän Tornabuoni aufgegriffen und einer Untersuchung unter-worfen, die nicht zu seinen Gunsten ausfiel 38 . Besaßen also dieLombarden ein Kloster zu Florenz, so standen ihnen in den ausihren Staaten gebürtigen Insassen. Vertreter und Mittelspersonenzu Gebote, durch die sie sich über alle wichtigeren Vorgänge der fHauptstadt der Medici ständig aufs genaueste unterrichten lassenkonnten. Daher war die entschiedene Abneigung der lombardi-schen Mächte gegen die Abtrennung S. Marcos von der lombardi-schen Kongregation sehr begreiflich, die denn auch wirklich ganzaussichtslos zu sein schien, zumal Papst Alexander VI., von seinerWahl her dem Kardinal Ascanio von Mailand aufs stärkste ver-pflichtet, von der Trennung um so weniger wissen wollte, als ebenim April 1493, zu einer Zeit, als die Verhandlungen wegen S. Marcosim vollsten Gangen waren, zwischen Mailand, Venedig und demPapste ein Bündnis zustande kam 39 . Endlich mochten die Ab-geordneten von S. Marco in Rom noch so redlichen Eifer ent-wickeln an diplomatischer Kunst und geschäftlicher Erfahrungund Gewandtheit waren sie ihren Gegnern entfernt nicht ge-wachsen 10 . Das fühlten sie selbst, und so gaben sie die Hoffnungganz auf, selbst Dominikus verzweifelte 41 .

9 Schnitzer, Savonarola