_________ SCHREIBEN AUS BOLOGNA ________________ 127
auch in meiner Abwesenheit der gewohnten Ansprache am Frei-tage nicht entbehrt 25 ; freilich werde ich mich mit Rücksicht aufmeine Vorbereitung kurz fassen müssen. Wohl weiß ich, daß euchder Abschied von mir schwer fiel. Aber ihr müßt eben lernen, euchvon aller Anhänglichkeit an irdische Dinge und an Personen undauch an mich selbst loszureißen, denn es steht geschrieben: „Ver-flucht der Mensch, der sein Vertrauen auf einen Menschen setzt!"(Jer. 17, 5.) Wenn ihr mich auch um eures Fortschrittes im geisti-gen Leben willen liebt, so wollte doch Gott diese eure Liebe auf dieProbe stellen, ob sie vollkommen und nicht mit Eigenliebe ver-mengt sei, was dann der Fall ist, wenn ihr euch ganz in GottesWillen ergebt. Wenn ihr euch aber allzusehr betrübt und meint,ohne mich nicht leben zu können, so ist eure Liebe noch unvoll-kommen, und deshalb nahm Gott mich einige Zeit von euch, da-mit ihr lernt, euer Vertrauen auf Gott zu setzen und nicht auf Mensehen. So beschwöre ich denn euch, meine heiß und innig ge-liebten Söhne, meine Freude und meine Krone, euch zu trösten inder Liebe Christi. Wenn ihr tut, wie ich euch beim Abschiede ansHerz gelegt, so braucht ihr an meiner Rückkehr nicht zu zweifeln,denn Gott wird vollenden, was er in euch begann. Ganz besondersdanket Gott für die Gnade der Einsicht in den inneren Menschenund der Erkenntnis, daß nicht die Zeremonien den Menschenretten, sondern einzig die Gnade Christi und die Erneuerung desSinnes, zu der sich der Mensch durch Reinigung des Herzens vonirdischen Begierden, durch Lesung der Heiligen Schrift und desLebens der Väter sowie durch Gebet und Betrachtung befähigt 28 .Die heiße Sehnsucht nach S. Marco sprach auch aus dem kurzenBriefe, den Stivonarola von Bologna aus an Mona Bartolomea, dieWitwe Nikolaus di Zambigliazis von Forenz, richtete 27 . Er dankteihr für all die Mühen, die sie für ihn übernommen, war aber nochunschlüssig, ob er schon gleich nach Beendigung der Fasten-predigten heimkehren oder zuvor noch dem nach Venedig an-beraumten Kapitel der lombardischen Kongregation anwohnensollte. In der Tat war seine Anwesenheit zu Hause um so nötiger,je mehr die Trennungsfrage in Fluß kam. In Bologna, das sah erein, war nichts zu erreichen. Die Entscheidung lag in letzter undhöchster Stelle beim Papste, beim Kardinalprotektor und beimOrdensgeneral. Hier in Rom ließen denn auch die Lombarden,vertreten durch P. Thomas von Brescia, P. Marcus Peregrin, Prior