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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
126
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126 DIE KONGREGATION VON S. MARCO

Wie er in seinem Briefe an P. Baptist versprochen, so richteteSavonarola bald nach seiner Ankunft in Bologna ein ausführlichesErmahnungsschreiben an seine geistigen Brüder und Söhne vonS. Marco 22 . Er dankte darin dem Herrn für ihre Bereitwilligkeitzum Dienste Gottes und versicherte, unaufhörlich sei sein Flehendahin gerichtet, das in ihnen begonnene Werk möge in allen Tu-genden seine Vollendung finden, auf daß sie das Licht der Kirchewürden und den Bau zusammenhielten, der dem Einstürze nahesei. Obschon dem Leibe nach fern, so weile er doch dem Geistenach in ihrer Mitte und stehe ihnen mit seinen Gebeten bei, damitsie den Schlingen, Nachstellungen und Gewalttätigkeiten ihrerFeinde nicht erliegen, sondern in gegenseitiger Liebe zueinanderimmer mehr zunehmen möchten. Fliehet, mahnte er, den Müßig-gang, den Vater aller Schlechtigkeit, und meidet den Verkehr mitden Weltleuten, auch mit euren Verwandten, ganz besonders mitden weiblichen, denn des Menschen Feinde sind seine Haus-genossen 23 . Nehmt euch auch vor allen unnützen Reden in achtund sprecht nur von erbaulichen Dingen, bleibet in euren Zellenund vergnügt euch mit frommer Lesung, Gebet und Betrachtung!Wie der Blinde im nächsten Sonntagsevangelium 24 inständig, stand-haft und beharrlich um das Licht seiner leiblichen Augen bat, sosollt auch ihr mit derselben Andacht und Beharrlichkeit um dasgeistige Licht zu Christus flehen. Ich selbst fühle mich mit meinemBegleiter, dem Bruder Basilius, am gegenwärtigen Aufenthaltsorterecht einsam, gleich zwei Turteltauben, die auf den Frühling undauf die Heimkehr in wärmere Gegenden warten. Gewohnt, in-mitten der Blumen und der Freuden des Heiligen Geistes zu leben,spüren wir beide großes Heimweh nach unseren trauten Genossen;und wenn wir auch in Bologna viele gute Geister antreffen, somangelt es diesen doch an der großen Einfalt (simplicitä), wennsich auch wohl noch ein guter Teil zum Leben in der Einfalt be-kehren wird. Um so mehr sollt ihr Gott danken, der euch dieAugen geöffnet und den Weg zum geistigen Leben geebnet hat,denn in Bologna stoßen wir auf große Finsternis, und obschonviele guten Willens sind, so vermögen sie doch den rechten Wegnicht zu finden. Hütet euch darum gar sehr, ja nicht in Lauheitzu verfallen, auf daß euch nicht andere den Rang ablaufen unddie ersten die letzten werden. Wenn nicht große Hindernisse ein-treten, so will ich euch jede Woche einmal schreiben, damit ihr