DIE KONGREGATION VON S. MARCO
hältnissen die Aussicht, die strenge Observanz in der ganzenlombardischen Kongregation gleichmäßig durchzuführen, äußerstgering, so blieb den Brüdern von S. Marco, wenn sie ihr gleich-wohl nachleben wollten, tatsächlich nichts als die Trennung vonden Lombarden übrig. Denn so lange sie diesen unterworfenblieben, mußten sie sich eine beständige Durchsetzung ihres Klo-sters mit auswärtigen, an die lombardischen Regelerleichterungenund Abschwächungen gewöhnten Brüdern gefallen lassen, durchwelche ihre Gemeinde in ihrer Zucht unaufhörlich schwer ge-fährdet und zum Tummelplatze ärgerlicher Streitigkeiten gemachtwurde. Zu dieser Trennung durften sie sich schon aus demGrunde als befugt erachten, weil sich ja in der Stellung der Kon-gregation zur ursprünglichen Regel seit ihrem Anschlüsse an sie(1451) durch Erlangung der Armutsdispensen eine wesentlicheÄnderung vollzogen hatte. Überdies bestanden auch die Verhält-nisse nicht mehr, unter welchen sich das Kloster ehedem ein-gegliedert hatte, da die durch das Pestjahr 1448 verursachtenLücken reichlich ausgefüllt waren; eben jetzt (1493) hatte es mitseinen fast hundert Brüdern eine zuvor niemals erreichte Be-wohnerzahl erklommen. Allerdings war unschwer vorauszusehen,daß die Trennung auf sehr große, wenn nicht unüberwindlicheHindernisse stoßen und namentlich dem zähesten Widerständeder Lombarden begegnen werde. Die Kongregation konnte einblühendes Kloster in einer Stadt wie Florenz nicht so leicht ausder Hand geben; sie durfte dies von ihrem Standpunkte aus auchnicht, da in der Genehmigung eines solchen Gesuches das Zu-geständnis der Minderwertigkeit ihrer eigenen Armutsübung lagund zu befürchten stand, daß das Beispiel S. Marcos bei dem weitverbreiteten starken Drange nach ernster Reform den Austrittanderer Klöster nach sich ziehen werde. Savonarola war sichdenn auch der Schwierigkeiten, mit welchen er zu kämpfen habenwerde, sehr wohl bewußt. Gleichwohl ließ er sich durch sie nichtim geringsten von der Verfolgung eines Planes abschrecken, derihm durch die Rücksicht auf die gewissenhafte Beobachtung derOrdensgelübde geboten erschien; ja, er war des schließlichen Ge-lingens so sicher, daß er es wie seinen Ordensbrüdern, so vielenWeltleuten geraume Zeit vorher zuversichtlich voraussagte 12 . Umdie führenden Männer der lombardischen Kongregation seinemVorhaben günstig zu stimmen, richtete er an sie mehrere Schrei-