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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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SCHEITERN DES IDEALKLOSTERS 123

liegenheiten, besonders auch vom Beichthören befreit 5 . Wenn dieVäter zur Predigt auszogen, so geschah dies in Gesellschaft einesLaienbruders, der mit seinem Gewerbe für den Lebensunterhaltsorgte, auf daß der Prediger, aller Menschenfurcht bar, jedermanndie Wahrheit ins Gesicht sagen könne.

Das Idealkloster, welches Savonarola zu errichten gedachte,war wirtschaftlich bereits sichergestellt, die päpstliche Bau-erlaubnis mündlich erteilt 6 . Die jüngeren Brüder von S. Marcowaren für den Plan Feuer und Flamme; die Ausführungscheiterte aber in letzter Stunde an dem Widerstände derälteren, welche die Laien, von denen die Mittel zum Baueaufgebracht werden sollten, abspenstig machten 7 . Da jedochmit dem Tode Lorenzos das der Unabhängigkeit S. Marcos gefähr-lichste Hindernis bereits weggefallen war und die Herrschaft derMedici unter Lorenzos unwürdigem Sohne Peter sichtlich ihrem p frr J^ H t »Ende entgegentrieb, so war von dieser Seite wenig mehr zu furch- .^A.-»/&. /»ten. Mit Feuereifer war Savonarola nun darauf bedacht, das wei- fa,J*e «* !'tere Hemmnis aus dem Wege zu räumen, das einer gewissenhaften .

Durchführung der alten Regel entgegenstand, die Verbin-dung S. Marcos mit der lombardischen Kongre-gati o n. Er kannte das Leben und Treiben, das hier im Schwangewar, aus eigener achtzehnjähriger Erfahrung zur Genüge. Schon alsJovize hatte er an der Lauigkeit Anstoß genommen, die er, wiewir uns erinnern, sogar in S. Dominikus zu Bologna antraf, dasdoch eine Art Musterkloster der Kongregation bildete; und in den / .anderen Klöstern, in welchen er längere oder kürzere Zeit zuge-bracht hatte, lagen die Dinge nicht besser 8 . Vinzenz Bandelli, eineHauptsäule der lombardischen Kongregation, erfreute sich alsPrior des Klosters S. Maria delle Grazie 9 zu Mailand der Gunst des

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Herzogs Ludwig des Mohren so sehr, daß sich dieser jede Wocheeinige Male zu Tisch bei ihm einfand 10 ein Umstand, der aufdieArmut" undObservanz" Bandellis und seines Klosters eingrelles Licht warf; am Tische des heiligen Dominikus hätte sichder Herzog schwerlich so wohl gefühlt. Es kennzeichnete Ban-dellis Auffassung der Ordensregel nicht weniger, daß er die Ge-schichtlichkeit der ihm begreiflicherweise unbequemen Überliefe-rung bestritt, wonach der heilige Dominikus seinen Fluch gegenden geschleudert habe, der zuerst Besitzungen in seinem Ordeneinführen würde 11 . War nun aber unter den obwaltenden Ver-