122 DIE KONGREGATION VON S. MARCO
nikus an eine Behausung seiner Söhne gestellt hatte 3 . Bis in alleEinzelheiten stand es vor den Augen seines Geistes*. Es war einärmlicher, niedriger Bau, der nur ein Erdgeschoß hatte und sichnicht viel über den Boden erhob. Die Zellen waren eng, die Türenund Fenster nicht mit eisernen Schlössern versehen, die Schränke,Türangeln und Sessel nur aus schlichtem Holze, die Säulen derKlosterhöfe nicht aus Bruchstein, sondern wieder nur aus Holzoder Ziegelsteinen gefertigt. Aus der ebenso ärmlichen Kloster-kirche waren alle eitlen, bloßer Neugierde dienlichen Darstellun-gen verbannt, nur einfache, erbauliche Bildnisse waren zuge-lassen. Die heiligen Gewänder waren aus Wolle oder Linnen, dieKelche ohne überflüssige Zieraten, und nur eine nicht sehrgroße Glocke vorhanden. Kurz, alles atmete Heiligkeit und An-dacht, und nur Liebhabern der Armut und Einfachheit war Zu-tritt gewährt. Die Laienbrüder beschäftigten sich mit Handarbei-ten nicht allzu zerstreuender und geräuschvoller Art, mit Bild-hauerei, Malerei, Mauern, Abschreiben und ähnlichem, und be-stritten mit ihrem Verdienste die Bedürfnisse des Klosters, so daßdie Priester mit um so größerem Eifer der Predigt obliegen konn-, ten, ohne sich durch die Rücksicht auf etwaigen Entgang der Al-mosen von der Verkündigung der Wahrheit abschrecken zu lassen.Daher mußten für das Kloster tüchtige Laienbrüder vornehmerHerkunft gewonnen werden, denen alle Sorge um das Zeitlicheüberlassen blieb, während die Priester und besonders die Vorge-setzten einzig auf das Geistliche bedacht waren. Mit Ausnahme desOberen, des Novizenmeisters und des Lesemeisters waren alleanderen Klosterbeamtete Laienbrüder, Leute aus guter Familie,| klug, gütig, gebildet und höflich, von denen sich die Diener Gottes■ einer gütigen und anständigen Behandlung versehen durften. Fürdie jungen Mönche waren drei Arten von Lesemeistern vorge-sehen: einer für Gewissensfälle, ein anderer für die Heilige Schriftund ein dritter für die Scholastik. Doch blieb letztere besondersbegabten und scharfsinnigen Köpfen vorbehalten, während dieGewissensfälle und die Heilige Schrift besonders für die Mittel-mäßigen berechnet waren, auf daß es sich zeige, daß man Christusauch ohne Aristoteles und andere weltliche Schriftsteller predigenkönne. Die Studierenden der Scholastik wurden aus der Schar deranderen ausgewählt; sie waren an Zahl immer nur wenig und vonallem Chordienste bei Tag und Nacht wie von allen sonstigen Ob-