LORENZOS LETZTE STUNDEN ii'5
Florenz. Gleich nach dem Hinscheiden seines von ihm aufsschmerzlichste betrauerten Gönners richtete Guido ein ausführ-liches Schreiben an Franz Piccölomini, den Kardinalprotektor desKamaldulenserordens, der es dem eben damals in Begleitung desjugendlichen Kardinals Johann Medici in Rom weilenden Kamal-dulensergenerale Peter Delphin zum Lesen gab. Dieser schriebnun schon am folgenden Tage, 25. April 1492, einen Trostbrief 4 ' //»~
an Guido, worin es hieß: „Du verkehrtest mit ihm (Lorenzo de' ^^ „__^
Medici) stets nach Belieben und erfreutest Dich seines Umganges,so lange Du wolltest. Er wußte ja sehr wohl, daß er sich aufDeine Treue, Ergebenheit und Liebe verlassen dürfe, weshalb erDir alle seine Anliegen und Gedanken wie einem anderen Ich mit-zuteilen pflegte. Dieses Vertrauensverhältnis währte denn auchbis zum Tode, so daß irgendwelcher Verdacht der Verstellung oderHeuchelei nicht aufkommen konnte. Denn klug, wie er immerwar, ließ er Dich im Vorgefühle seiner nahen Auflösung ... zusich rufen, um dem im Tode den letzten Beistand zu leisten, demDu im Leben so einzig nahe gestanden. Ehrerbietig nahm er Dich,wie Du schreibts, auf, legte Dir sogleich mit allen Anzeichen derReue und größter Sorgfalt seine Beicht ab und empfahl Dir an-gelegentlich seine Seele. Dann empfing er die heilige Wegzehrungund hauchte in Deiner Gegenwart und unter Deinem Geböte seineSeele aus."
Somit ist die Glaubwürdigkeit des polizianischen Berichtes 42jedem Zweifel entrückt, während wir in dem dominikanischen Be-richte das Erzeugnis späterer Legendenbildung vor uns haben,zumal da auch die Fäden offen zutage liegen, die zu dem Gespinsteverwendet wurden. Savonarola sprach nämlich oft von der Unbekehrbarkeit des Tyrannen, dem er gerne die Züge Lorenzos lieh.„Der Tyrann", sagte er 43 , „ist fast immer unverbesserlich, einer-seits um der Menge seiner Sünden willen, in die er so schwer ver-strickt ist, daß es ihm schwer fällt, davon zu lassen, anderseitsweil er so viel unrechtmäßig erworbenes Gut zurückzuerstattenund so vielen von ihm verursachten Schaden zu ersetzen hätte,daß er, wollte er hiermit, wie es eine aufrichtige Bekehrung er-forderte, wirklich Ernst machen, kaum mehr das Hemd am Leibebehielte." An dieser Unbußfertigkeit des Tyrannen sind fernerdie schmeichlerischen Höflinge schuld, die seine Sünden beschö-nigen, „weshalb denn auch die lauen Ordensleute ihn beichthören
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