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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
116
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6 DER PRIOR VON S. MARCO

und lossprechen und ihm das Schwarze weiß färben 44 ".Oh, wieviele", rief der Prediger ein andermal aus 45 ,meinten zu herrschenund große Dinge zu unternehmen in unseren Tagen, die in derMitte ihres Lebens verschieden, von einem vorzeitigen Tode hin-weggerafft." Auf die Einrede, daß doch auch sie beichteten undkommunizierten und also das Heil erlangten, gab er zur Antwort:Glaube mir, es sind Verzweiflungsbeichten. Es sind keine wahrenBeichten, sage ich dir, sondern sie sind verstellt aus Furcht vorder Hölle. Denn wenn du sie in diesem Augenblicke fragtest, obsie im Falle ihrer Genesung dem Prunke und den Eitelkeiten derWelt und den fleischlichen Gelüsten entsagen wollten, so würdensie dir, falls sie der Wahrheit die Ehre gäben, erwidern, sie seiennicht dazu bereit. Und darum gilt das Wort des Psalmisten vonihnen: JPerierunt propter iniquitatem suam 46 .'"

Wenn sich somit einerseits Tyrannen von der Art Lorenzosnicht bekehrten, anderseits gewissenhafte Beichtväter vom Schlagedes Priors von S. Marco sie nicht lossprachen, so waren die Voraus-setzungen der dominikanischen Legende bereits gegeben. Es warbekannt, daß der Prior im Sterbezimmer zu Gareggi geweilt hatte;und nichts lag näher, als diese Anwesenheit mit einer Beicht inZusammenhang zu bringen, die sich bei der Verstocktheit desMedici und bei der Festigkeit des Predigers notwendig zerschlagenmußte. Ein wesentlicher Unterschied zwischen der Legende undder Auffassung des Predigers bestand allerdings darin, daß dieBekehrung nach ersterer an der politischen Verstocktheitdes Sterbenden scheiterte, an seiner Weigerung, der Stadt die Frei-heit zurückzugeben, während Savonarola immer von einer mora-lischen Unbußfertigkeit des Tyrannen gesprochen hatte, vonseiner Unfähigkeit, die ihn umstrickenden Fesseln der sinnlichenLust und Habsucht zu sprengen. Die Kreise, in deren Schoß sichdie Legende bildete, waren nun aber bekanntlich die treuestenAnhänger der Volksherrschaft, und eben für sie war niemandfeuriger eingetreten, niemand hatte die Tyrannenherrschaft schär-fer verurteilt als der Prior, der mit seinen Forderungen nun selbst-verständlich auch den sterbenden Medici nicht verschont habendurfte. Obschon geschichtlich unhaltbar, ist der dominikanischeBericht immerhin lehrreich. Er lehrt namentlich, wie mißlich esist, die Handlungen eines Mannes aus seiner im voraus zurechtgelegten Wesensart, statt umgekehrt diese aus seinen Handlungen