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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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LORENZOS LETZTE STUNDEN 113 ,

Die drei Sünden, von denen ich nicht weiß, ob sie mir Gott ver-zeiht, sind diese: Die erste ist die Plünderung von Volterra, diees trotz meiner Versicherungen zu erleiden hatte, wobei vieleMädchen ihre Jungfrauschaft einbüßten und unzählige andereGreuel begangen wurden. Die zweite Sünde ist die Unterschlagungder zur Aussteuer heiratsfähiger Mädchen angelegten Gelder, sodaß viele dem Laster anheimfielen, weil sie aus Mangel an Mit- agjp fcy-~4fgift nicht zur Ehe kamen. Die dritte Sünde ist der Fall mit denPazzi, wobei viele Unschuldige ums Leben kamen." Hierauf ant-wortete der Vater:Lorenzo, laßt Euch die Sache nicht allzusehr &~r*--ftzu Herzen gehen, denn Gott ist barmherzig und wird auch EuchBarmherzigkeit erzeigen, wenn Ihr drei Dinge erfüllt, die ich Euchsage." Es folgen nun die bekannten drei Forderungen, von denenLorenzo nichts wissen wollte.

Ganz anders trugen sich die Dinge nach der Erzählungeines Mannes zu, der in C arregi zugegen war und am Bet tedes Sterbenden weilte. Angelo Poliziano, der berühmte Hu-manist, Lorenzos vertrautester Freund, schreibt 33 am 18. Mai1492, also wenige Wochen nach Lorenzos Tod, an denPerugianer Jakob Antiquario, Lorenzo habe, nachdem er er-kannt, daß alle Hoffnung auf Genesung geschwunden sei, vorallem den Seelenarzt 34 kommen lassen und diesem eine Lebens-beicht abgelegt, mit solcher Gefaßtheit und Seelenruhe, daßder Priester selbst nachher sein höchlichstes Erstaunen zu ihm,Polizian, geäußert habe. Mit ergreifender Inbrunst habe er dieheilige Wegzehrung empfangen und dann erst mit seinem SohnePeter, hierauf mit dem Arzte, mit Polizian und Pico von Mirandolagesprochen. Als dann dieser das Zimmer verlassen hatte, seiHieronymus aus Ferrara eingetreten, ein Mann, ausgezeichnet anGelehrsamkeit und Heiligkeit, und habe den Kranken ermahnt,am Glauben festzuhalten, den dieser denn auch unerschütterlichzu bewahren versprach. Jener habe ihm ferner empfohlen, sichvon nun an möglichster Besserung zu befleißigen, was ebenfallszugesagt wurde. Endlich habe er ihm ans Herz gelegt, den Tod,falls es nötig sei, ergeben zu ertragen, worauf er zur Antwort er-hielt:Nichts lieber als dies, wenn es Gottes Wille so ist." Schonsei der Mönch im Begriffe zu gehen gewesen, als Lorenzo bat:Gebt mir Euren Segen, Vater, bevor Ihr scheidet." Und das Hauptund den Blick gesenkt, antwortete er voll religiöser Frömmigkeit

8 Schnitzer, Savonarola