Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
112
Einzelbild herunterladen
 

II2 DER PRIOR VON S. MARCO

und Kind habt. Ich aber fürchte mich nicht, denn mir liegt wenig

t, daran, gerade hier in Florenz zu sein, das doch nur wie ein Linsen-

körn im Verhältnisse zur ganzen Erde ist. Lorenzo kann tun, was

er will, aber das mag er wissen: ich bin hier fremd, und er ist

Bürger und der Erste der Stadt. Und doch bleibe ich hier, und

e r muß gehen. Ich bleibe hier und nicht e r." AAuch darüber, wie

., diesesGehenmüssen" zu verstehen sei, ließ der Prediger keinen

Zweifel.Etliche Jahre zuvor", so berichtete wieder er selbst ,

jft44-fof<!Ay '/sagte ich den Tod Lorenzos de' Medici wie den Tod des Papstes

Innozenz VIII. voraus ... Die Leute, zu denen ich dies sagte, sind

jZj~fy<~-t$~-^~' hier in der Predigt zugegen."

Savonarola behielt mit seiner Voraussagung,'daß Lorenzos letzteStunde bald schlagen werde, in erschreckender Weise recht. An-fangs April 1492 lag der Medici in der Blüte seiner Jahre zu Ca-reggi bei Florenz hoffnungslos auf dem Krankenlager. Als er nunalle Aussicht auf Genesung entschwunden und den Tod nahe sah,da schickte er, einem späteren Berichte 30 zufolge, nach Savonarolamit den Worten:Holet den P. Hieronymus, denn ich habe nie-mals einen wahren Mönch gefunden außer ihn." So begab sichdenn der Prior nach Careggi, und nachdem er beim Kranken ein-getreten war, erklärte dieser nach einigen Worten, er wolle beich-ten. P. Hieronymus erwiderte, es sei ihm recht, aber vor derBeichte wolle er ihm drei Dinge sagen, wenn er die erfülle, sodürfe er seiner Rettung sicher sein. Jener entgegnete, er sei damiteinverstanden und wolle es tun. Der Pater sprach:Lorenzo, Ihrmüßt einen großen Glauben haben." Worauf dieser antwortete:..Er ist da." Der Bruder Hieronymus fuhr nun fort:Ihr müßtzweitens das unrechtmäßige Gut zurückerstatten." Nach einigerÜberlegung erwiderte Lorenzo:Vater, ich will es jedenfalls tunoder durch meine Erben tun lassen, wenn ich nicht kann." DerVater sagte hierauf:Ihr müßt drittens der Republik ihre Frei-hr vf- )) «~*~* l heit wieder geben und machen, daß sie ihre frühere VerfassungJm , i n~irt - 1 "wieder erhalte." Auf diese Worte gab er keine Antwort. Und soging genannter Vater fort, ohne daß es zu einer anderen Beicht""V *** gekommen wäre, und bald darauf verschied der Kranke 31 .' /' Anderer, noch späterer Angabe gemäß 32 , sprach der Kranke

y^i-^h^ ? zum Prior:Vater, ich möchte beichten, aber drei Sünden haltenmich zurück und stürzen mich fast in Verzweiflung." Woraufjener sagte:Und was sind dies für Sünden?" Lorenzo erwiderte:

/y